Landleute werden

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Daniel Mason gelingt mit Landleute ein erzählerischer Geniestreich. Mit Witz, Ironie, Situationskomik und literarischer Virtuosität erzählt er von einer Familie, die sich für ein Jahr aufmacht, um in Vermont das Landleben kennenzulernen. Auf der Fahrt bleiben sie noch namenlos, bei Ankunft werden sie zu Miles, Kate, Wesley und Olive.

Kate bekommt die Stelle einer Gastprofessur, Miles will endlich seine seit Jahren aufgeschobene Dissertation beenden. Das Thema: Landleute in russischen Volksmärchen.

Er forscht voller Hingabe und wirft sich in Vermont begeistert in das Landleben, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln.

Schon hier spielt Daniel Mason mit den Lesegewohnheiten, wirft aus der bequemen Komfortzone, so wie auch die Familie statt im Comfort Inn im Fort Inn übernachtet.

Schnell fühlt Miles sich wohl, findet Freunde unter den verschrobenen Exzentrikern in Vermont, lernt Ski-Langlauf, das Mähen mit der Sense und wird Mitglied einer Gruppe, die an eine unterirdische Welt unter Vermont glaubt. Glaubenssätze bröckeln, Überzeugungen stehen fortan auf dem Prüfstand.

Die Konstruktion von Landleute ist beeindruckend. Die anfangs namenlosen Figuren werden immer lebendiger, bis sie die gesamte Fülle der Existenz in sich tragen. Je mehr Miles sich zu Hause fühlt, desto unwichtiger wird die vielfach umbenannte Dissertation. Die Suche nach dem Paradies wird im Paradies obsolet.

Die herausragende Übersetzung von Cornelius Hartz ist so sensationell stimmig, dass aus dem deutschen Text ein eigenes künstlerisches Werk wird. Rhythmus, Duktus und Wortwahl sind präzise, die Übersetzung verschwindet vollständig hinter dem Text, das Leseerlebnis entfaltet sich lückenlos.

Landleute fordert heraus. Immer wieder durchbricht Daniel Mason die konventionellen Strukturen eines Romans, spricht seine Leser*innen direkt an, lässt die Erzählstimme plötzlich Beobachterin werden, hinterfragt Zuordnungen, schichtet die Erzählebenen. Landleute steckt voller Bezüge auf Kultur und Literatur und sprüht vor Virtuosität.

Fröhlich schichtet Daniel Mason Ironie und Existenzialismus aufeinander, macht die kleinen Dinge zu den Bedeutendsten und entlarvt siegessicher Werte und Lebensstil der modernen Welt. Was für ein Roman. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen.