Pointiert, skurill, unterhaltsam

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stef9274 Avatar

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Mit "Landleute" von Daniel Mason musste ich erst einmal warm werden. Der Schreibstil wirkt zunächst etwas distanziert erzählend und man weiß nicht sofort, wohin die literarische Reise gehen soll. Dennoch fällt sofort der ironisch-spitzfindige Schreibstil ins Auge, der einen nicht selten zum Schmunzeln bringt.

Wir begleiten Miles und Kate, die mit ihren Kindern Olive und Wesley von Kalifornien nach Vermont umziehen. Dort hat Kate das Angebot bekommen, an der Uni zu unterrichten. Während sie ihre Karriere ausbaut, konzentriert sich ein Großteil der Geschichte auf Miles, der seit 12 Jahren seine Dissertation aufschiebt. Warum, das wird schnell klar, wenn wir ihn so beobachten. Er findet in allem Zerstreuung und dabei mühelos Kontakt zu den "Landleuten", um die es hier geht.

Zu Beginn studiert er seine neuen Nachbarn mit den Augen des Städters, der er ist. Doch dann atmet er immer mehr Lokalkollorit, sodass er zunehmend im Landleben ankommt. Das geschieht auf so hintersinnig-komische Weise, dass man manchmal nur grinsend den Kopf schütteln kann. Miles lernt Skifahren bei Bjorn, hört regelmäßig die bunte Minute im Radio, die in Wirklichkeit eine Stunde dauert, wo es die verrücktesten Rubriken gibt, und kommt mit einer Geheimgesellschaft/Verschörungstheoretikergruppe in Kontakt. Er lernt, Rasen mit der Sense zu mähen und warum sein Hund besser Warnorange tragen sollte, wenn der Herbst kommt. Bei alldem sucht er ständig nach der Verbindung zu seiner Dissertation, was natürlich nur als Rechtfertigung für seine Prokrastination dient.

Besonders gefallen haben mir die verschrobenen, liebenswerten "Landleute". Wer auf dem Dorf oder in der Kleinstadt wohnt, weiß um die Sonderlinge und Typen in seinem Wohnort. Das wird hier hervorragend überspitzt dargestellt.

Mir hat es Spaß gemacht, den Roman zu lesen, wenngleich ich mich zwischendurch immer mal gefragt habe, wo der Autor eigentlich hin möchte. Humor und Charakterstudien werden hier miteinander verknüpft. Eine Erzählung, die sich Zeit lässt, dabei aber nicht langweilig wird. Bonuspunkt: Hund Giuseppe!
Etwas hat mir am Ende dann irgendwie doch gefehlt, dass es mich so absolut vom Hocker reißt, aber Spaß hatte ich trotzdem!