Skurrile Begegnungen und leiser Humor

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
nickithecat Avatar

Von

Mit Landleute erzählt Daniel Mason die Geschichte des Literaturwissenschaftlers Miles, der gemeinsam mit seiner Frau Kate und den beiden Kindern von Kalifornien nach Vermont zieht. Kate hat dort eine einjährige Gastprofessur bekommen, während Miles weiterhin an seiner seit vielen Jahren unfertigen Dissertation arbeitet. Während seine Frau beruflich schnell wieder Fuß fasst, nutzt Miles die neue Umgebung als Anlass, sich mit den Menschen und Eigenheiten des ländlichen Vermont zu beschäftigen.

Dabei begegnet er zahlreichen ungewöhnlichen Dorfbewohnern und gerät immer wieder in Situationen, die gleichermaßen skurril wie unterhaltsam sind. Mason beschreibt diese Figuren mit viel Feingefühl und einem trockenen, oft pointierten Humor. Besonders gelungen fand ich, dass die Menschen trotz ihrer manchmal absurden Verhaltensweisen nie einfach lächerlich gemacht werden. Hinter dem Humor steckt vielmehr eine spürbare Sympathie für die Figuren und ihre unterschiedlichen Lebensweisen.

Auch Miles selbst ist eine interessante Figur. Er wirkt sympathisch, etwas ziellos und verliert sich gerne in seinen Gedanken, während er eigentlich längst seine Dissertation abschließen sollte. Seine neugierige Beobachtung der neuen Umgebung führt ihn nach und nach mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Dadurch entwickelt sich der Roman nicht nur zu einer humorvollen Geschichte über den Gegensatz zwischen akademischem Leben und ländlicher Gemeinschaft, sondern auch zu einem Buch über Begegnungen, Freundschaft und die Frage, wo man eigentlich seinen Platz findet.

Sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Mason schreibt anschaulich und mit einem feinen Gespür für Details. Viele Szenen konnte ich mir direkt vorstellen, und gerade die kleinen Beobachtungen sorgen immer wieder für ein Schmunzeln. Gleichzeitig besitzt die Geschichte eine ruhige, warmherzige Seite, die gut zum Erzählstil passt.

Etwas weniger überzeugt hat mich allerdings der Handlungsstrang rund um die Anhänger der sogenannten Hohlwelt-Theorie. Dieser nimmt gegen Ende des Romans deutlich mehr Raum ein und wirkte auf mich teilweise etwas überzogen. Zwar passt auch dieser Teil zur ungewöhnlichen Atmosphäre des Buches und zeigt, dass Mason selbst skurrile Figuren nicht vorschnell verurteilt, für meinen Geschmack hätte die Geschichte darauf jedoch gut verzichten können.

Insgesamt ist Landleute ein unterhaltsamer und zugleich feinfühliger Roman über eine Familie, einen ungewöhnlichen Neuanfang und die Menschen, denen man dabei begegnet. Besonders gefallen haben mir der trockene Humor, die liebevoll gezeichneten Charaktere und die sprachliche Qualität. Wer Geschichten mag, die eher von ihren Figuren und Beobachtungen als von großen dramatischen Ereignissen leben, dürfte mit diesem Roman viel Freude haben.