Versponnen, humorvoll und warmherzig
„Landleute“ erzählt von einem einzigen Jahr im Leben einer vierköpfigen Familie. Im Zentrum steht Miles Krzelewski, ein Literaturwissenschaftler, der seit vierzehn Jahren an seiner Dissertation arbeitet und sich dabei immer wieder in Nebenthemen verliert. Als seine Frau Kate, eine akademische Überfliegerin, eine Gastprofessur in Vermont übernimmt, zieht die Familie von Kalifornien nach Neuengland. Dort gerät Miles rasch in ein Netz aus neuen Ablenkungen und Bekanntschaften: exzentrischen Dorfbewohnern, akademischen Außenseitern und schließlich einer Gesellschaft, die der Überzeugung anhängt, unter Vermont befinde sich eine verborgene Welt.
Diese „Hohlwelt“ ist weit mehr als ein skurriler Handlungseinfall. Sie wird zum Spiegel von Miles' eigenem Denken und seiner Neigung, sich in jedem gedanklichen Kaninchenloch zu verlieren. Darüber hinaus ist das zentrale Thema des Romans die menschliche Neigung, sich im Bedürfnis nach Sinn von Geschichten, Theorien und vermeintlich verborgenen Zusammenhängen faszinieren zu lassen, auch dann, wenn sie offenkundig jeder Logik spotten. Mason interessiert sich für die Grenze zwischen Wissen und Irrtum, zwischen faktischer Erkenntnis, Literatur und Aberglauben. Seine Figuren suchen überall nach einer tieferen Bedeutung und konstruieren sich dabei bisweilen ihre eigene Wirklichkeit. Das kam mir, vor allem nach dem Schock unserer letzten Landtagswahlen, sehr bekannt vor.
Besonders gelungen fand ich Masons Satire auf die akademische Welt. Die Anpassung, wenn nicht Anbiederung der Universitäten an vermeintlich zeitgemäße Bedürfnisse, die Inflation von Forschungsprojekten und der Zwang, aus allem eine publizierbare Erkenntnis zu machen, liefern ihm reichlich Material. Gleichzeitig macht er sich über die romantische Vorstellung vom authentischen Landleben lustig. Vermont ist bei ihm weder idyllisches Gegenmodell zur Moderne noch Provinz voller einfältiger Sonderlinge, sondern ebenso vielfältig und widersprüchlich wie der Rest der modernen Welt.
Masons Figuren sind dabei bewusst überzeichnet. Schneefotografen, Selbstversorgung-Influencer, Verschwörungstheoretiker und andere schräge Gestalten bevölkern den Roman. Das ist oft sehr komisch, gelegentlich aber auch zu viel des Guten. Manche Einfälle verlieren ihre Wirkung, weil Mason sie zu lange ausspielt. Die Konstruktion des Romans ist manchmal zudem etwas ziellos geraten: Handlungsfäden werden begonnen und ohne Folgen wieder fallengelassen. Die Neigung zum Abschweifen ist zugleich das Thema und die (kleine) Schwäche des Romans.
Formal setzt Mason erneut auf unterschiedliche Erzählformen, darunter erfundene historische Dokumente, Exkurse und ausgedehnte Fußnoten. Die literarischen Bezüge – von Shakespeare bis zu russischer Folklore – sind dabei nicht bloß gelehrtes Dekor. Sie bilden das gedankliche Fundament eines Romans, der sich mit der Macht von Geschichten beschäftigt: mit den Geschichten, die wir lesen, erzählen und letztlich auch über uns selbst und unsere Wirklichkeit erfinden.
Im Vergleich zu seinem vorigen Roman ist „Landleute“ weniger komplex und weniger ambitioniert. Dafür ist der Roman zugänglicher, humorvoller und ausgesprochen warmherzig. Mason gelingt die schwierige Balance zwischen Kauzigkeit und Satire; nur gelegentlich kippt seine Lust am Absurden ins Überzogene.
So ist „Landleute“ kein neuer literarischer Meilenstein wie „Oben in den Wäldern“, sondern bewusst etwas anderes: eine leichte, intelligente und durchaus selbstironische Komödie über akademische Hybris, moderne Lebensformen und die Sehnsucht nach Mysterium und Geheimnis. Das glaubwürdig-realistische Happy End ist der würdige Abschluss dieses Lesespaßes. Seine Stärke liegt dabei weniger in der Handlung als in Masons ziselierter Sprache und feinem Humor. Mir gefiel´s trotz kleiner Schwächen.
Diese „Hohlwelt“ ist weit mehr als ein skurriler Handlungseinfall. Sie wird zum Spiegel von Miles' eigenem Denken und seiner Neigung, sich in jedem gedanklichen Kaninchenloch zu verlieren. Darüber hinaus ist das zentrale Thema des Romans die menschliche Neigung, sich im Bedürfnis nach Sinn von Geschichten, Theorien und vermeintlich verborgenen Zusammenhängen faszinieren zu lassen, auch dann, wenn sie offenkundig jeder Logik spotten. Mason interessiert sich für die Grenze zwischen Wissen und Irrtum, zwischen faktischer Erkenntnis, Literatur und Aberglauben. Seine Figuren suchen überall nach einer tieferen Bedeutung und konstruieren sich dabei bisweilen ihre eigene Wirklichkeit. Das kam mir, vor allem nach dem Schock unserer letzten Landtagswahlen, sehr bekannt vor.
Besonders gelungen fand ich Masons Satire auf die akademische Welt. Die Anpassung, wenn nicht Anbiederung der Universitäten an vermeintlich zeitgemäße Bedürfnisse, die Inflation von Forschungsprojekten und der Zwang, aus allem eine publizierbare Erkenntnis zu machen, liefern ihm reichlich Material. Gleichzeitig macht er sich über die romantische Vorstellung vom authentischen Landleben lustig. Vermont ist bei ihm weder idyllisches Gegenmodell zur Moderne noch Provinz voller einfältiger Sonderlinge, sondern ebenso vielfältig und widersprüchlich wie der Rest der modernen Welt.
Masons Figuren sind dabei bewusst überzeichnet. Schneefotografen, Selbstversorgung-Influencer, Verschwörungstheoretiker und andere schräge Gestalten bevölkern den Roman. Das ist oft sehr komisch, gelegentlich aber auch zu viel des Guten. Manche Einfälle verlieren ihre Wirkung, weil Mason sie zu lange ausspielt. Die Konstruktion des Romans ist manchmal zudem etwas ziellos geraten: Handlungsfäden werden begonnen und ohne Folgen wieder fallengelassen. Die Neigung zum Abschweifen ist zugleich das Thema und die (kleine) Schwäche des Romans.
Formal setzt Mason erneut auf unterschiedliche Erzählformen, darunter erfundene historische Dokumente, Exkurse und ausgedehnte Fußnoten. Die literarischen Bezüge – von Shakespeare bis zu russischer Folklore – sind dabei nicht bloß gelehrtes Dekor. Sie bilden das gedankliche Fundament eines Romans, der sich mit der Macht von Geschichten beschäftigt: mit den Geschichten, die wir lesen, erzählen und letztlich auch über uns selbst und unsere Wirklichkeit erfinden.
Im Vergleich zu seinem vorigen Roman ist „Landleute“ weniger komplex und weniger ambitioniert. Dafür ist der Roman zugänglicher, humorvoller und ausgesprochen warmherzig. Mason gelingt die schwierige Balance zwischen Kauzigkeit und Satire; nur gelegentlich kippt seine Lust am Absurden ins Überzogene.
So ist „Landleute“ kein neuer literarischer Meilenstein wie „Oben in den Wäldern“, sondern bewusst etwas anderes: eine leichte, intelligente und durchaus selbstironische Komödie über akademische Hybris, moderne Lebensformen und die Sehnsucht nach Mysterium und Geheimnis. Das glaubwürdig-realistische Happy End ist der würdige Abschluss dieses Lesespaßes. Seine Stärke liegt dabei weniger in der Handlung als in Masons ziselierter Sprache und feinem Humor. Mir gefiel´s trotz kleiner Schwächen.