Neue Wege

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stephanus217 Avatar

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Zum wiederholten Mal entführt uns Pierre Lagrange für einen Kriminalfall in die Provence rund um Nîmes. War der Protagonist der Geschichten bisher stets der pensionierte Kommissar Albin Leclerc, dreht sich diesmal alles um die Gerichtsmedizinerin Dr. Berthe Saunier vom pathologischen Institut in Nîmes. Sie lebt mit ihrem Ehemann César, einem Literaturprofessor, in St. Pierre, einem kleinen Dörfchen in der Region. Als einzig erreichbare Medizinerin wurde Berthe eines Nachts in die Nachbarschaft zu einer Hausgeburt gerufen. Dort erfährt sie von einem merkwürdigen Vorfall aus der Nachbarschaft. Dort war der Onkel des hiesigen Gemüsebauern kürzlich verstorben und der Leichnam war aus den Räumen des örtlichen Bestatters verschwunden; bisherige polizeiliche Ermittlungen verliefen im Sande. Durch die jahrelange Zusammenarbeit mit Kommissar Leclerc hatte sich bei Berthe ein großes forensisches Interesse entwickelt, so dass sie beschloss, diesem Leichenverlust nach zu gehen. Erste Beobachtungen ergeben, dass der Bestatter vielleicht nicht der vertrauenswürdige Unternehmer ist, wie es den Anschein hat. Wird es Berthe gelingen, die Leiche zu finden und die Hintergründe ihres Verschwindens aufzuklären?

Der neue Krimi um die Gerichtsmedizinerin Berthe dürfte den Auftakt einer neuen Krimireihe vom Piere Lagrange darstellen. Einige Bände aus seiner inzwischen 15-teiligen Serie aus seiner bisherigen Reihe um den pensionierten Kommissar Albin Leclerc kenne ich und die fand ich allesamt klasse. Alleine deshalb war ich sehr gespannt auf den Start der neuen Serie. Der Start ist gelungen, keine Frage. Allerdings kommt der Erstling (noch) nicht an die „Leclerc-Reihe“ heran. Die Figuren, die die Geschichte, und vielleicht die ganze neue Rehe tragen sollen, sind eher blass geblieben, das gilt auch für Berthe, die zentrale Figur. Dann kommt die Kriminalstory selbst etwas unter die Räder. Fast bis zur Hälfte geht es nur um die verschwundene Leiche, das ist ein bisschen wenig, zumal das Finale etwas in der Luft hängt und konstruiert wirkt. Entschädigt wird man aber durch die immer wieder eingestreuten Edelsteine der Geschichte. Wenn Berthe sich mit ihrem Skelett Hugo in ihrem Büro unterhält, ist das toll gemacht. Mein persönliches Highlight ist aber das Verhältnis zwischen Berthes Mann und ihrem Nachbarn, die in einer durchzechten Nacht beschließen, ein Rockduo aus Oboe und Akkordeon zu gründen. Allein das entschädigt für die kleinen Startschwächen. Schließlich entscheidet aber, dass Pierre Lagrange ein begnadeter Erzähler ist, ich konnte das Büchlein kaum aus der Hand legen – und das ist das, was am Ende zählt.
Fazit: Guter Start mit viel Potential 4*