Die Kraft von Freundinnenschaft

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emaya Avatar

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Ein Coming-of-Age-Roman, in dem es mal nicht hauptsächlich um Liebe geht – zumindest nicht um romantische.

Im Daniela Dröschers erstem Jugendroman steht die unerschütterliche Liebe zwischen besten Freundinnen im Mittelpunkt. Dass sich drumherum auch ein romantischer Plot entwickelt, gehört zum Sujet; verweist es doch auf eine der zentralen Facetten des Heranwachsens.

Aber zurück zur Freundschaft: Issa und Grace verbindet vordergründig vor allem der Fakt, dass sie auf einem Gymnasium zwischen lauter Rich Kids zu denen gehören, die in Armut aufwachsen. Ihre Freundschaft ist bereits sehr gefestigt, als neue Problemen auftauchen: Issa braucht dringend Geld, um ihre Mutter zu entlasten, die als Alleinerziehende ohnehin am Limit ist – zumal Issas jüngere Schwester Livvie aus psychischen Gründen kaum ein Wort spricht. Grace hingegen wünscht sich eine OP, um ihre sehr großen Brüste loszuwerden, die zunehmend Schmerzen verursachen. Von ihren Müttern fühlen sie sich mit diesen Problemen nicht ernst genommen. Diese haben, vor allem, weil sie alleinerziehend sind, mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.
Deshalb versuchen die Freundinnen, alleine Lösungen zu finden, um an das erforderliche Geld zu kommen. Während dieser Versuche müssen die beiden ihre Moralvorstellungen abgleichen, was ein wichtiger Meilenstein für ihre Identitätsentwicklung wird.

Daniela Dröscher erzählt diese zauberhafte Geschichte gewohnt sensibel und einfühlsam aus der Sicht der jugendlichen Issa. Die beiden Mädchen überschätzen ihre Weitsicht und Weisheit auf eine sehr liebenswerte Weise, ohne ihre Vernunft dabei am Ende völlig außer Acht zu lassen.

Besonders gefallen hat mir die fantasievolle Sprache, mit der die Autorin uns in die kreative und humorvolle Gedankenwelt von Issa eintauchen lässt. In ihren aufkommenden zärtlichen Gefühlen für einen Jungen, den sie „den Sir“ nennt, wird sie zum ersten Mal deutlich mit den Hürden konfrontiert, die unser klassistisches System aufgebaut hat. Ich konnte beim Lesen ihre Ambivalenz und das Struggeln während der Suche nach der eigenen Identität sehr gut mitfühlen.Was mich stolpern ließ, ist die wenig hinterfragte Notwendigkeit der Brust-OP noch vor der Volljährigkeit von Grace. Ich hätte mich wohler damit gefühlt, wenn Dröscher diesen Weg noch mit ein paar medizinischen Fakten untermauert hätte. Dieser Bereich wurde mir zu schnell abgehandelt.

Trotz meiner Skepsis gegenüber diesem einen Handlungsstrang hat mich die Geschichte sehr berührt. Dröscher webt aus schmerzhaften Themen eine Erzählung, bei der ich oft lachen musste und die mich am Ende getröstet und voller Hoffnung zurücklässt. Ein leuchtender Roman über die tragende Kraft menschlicher Beziehungen – für mich ein absolutes Jahreshighlight, das ich mit sehr großer Freude gelesen habe. ❤️