Dieser Prolog!
Der Einstieg hat mich komplett kalt erwischt, und das meine ich als echtes Kompliment. Keine große Geste, keine ausgeschmückte Katastrophensprache, nur diese eine Hebamme, die mitten in einer Kriegsgeburt daran denkt, dass jetzt auch noch die Laken gewaschen werden müssen, und Elisaweta, die stirbt, bevor der erste Teil überhaupt anfängt. Das ist das, was ich meine, wenn ich sage dass historische Fiktion Geschichte durch einen Körper erzählen soll und nicht durch eine Erklärung. Katuscha nimmt die Babys nicht aus Pflicht mit, sondern weil sie einer Frau nie sagen konnte, was sie für sie empfand, und das jetzt einfach passiert ist, zu spät und ohne Worte. Das hat gesessen.
Was mich ein bisschen bremst: Sobald der Zeitsprung ins Jahr 1958 kommt, wird es... weicher. (Was nicht das gleiche ist wie schlechter, aber ich merke den Unterschied und weiss noch nicht wie ich das einordnen kann und will.) Das Fußspiel zwischen den Schwestern ist gut, Maja und ihre eingebildeten Liebeskatastrophen auch, aber ich frage mich, ob das Buch den Mut hat, die eigentlich schwierige Frage wirklich anzufassen: Zwei Frauen, die wissen dass ihre Mutter sie angesehen hat, neu und schreiend, und trotzdem gegangen ist. Das Schweigen nach dieser Silvesterbeichte.
Fazit: Will ich weiter lesen? Ja, und zwar wegen des Prologs. Das sowjetische Ballettsystem als Machtstruktur, die Belagerung von Leningrad als Hintergrund, Schwestern die nicht wählen können wer von ihnen ins Ausland darf, das trifft mehrere meiner grünen Flaggen gleichzeitig. Das Risiko ist, dass es sich in Richtung schönes historisches Frauenschicksal entwickelt ohne die psychologisch unbequemen Fragen wirklich zu stellen. Aber der Prolog gibt genug Hoffnung!
Was mich ein bisschen bremst: Sobald der Zeitsprung ins Jahr 1958 kommt, wird es... weicher. (Was nicht das gleiche ist wie schlechter, aber ich merke den Unterschied und weiss noch nicht wie ich das einordnen kann und will.) Das Fußspiel zwischen den Schwestern ist gut, Maja und ihre eingebildeten Liebeskatastrophen auch, aber ich frage mich, ob das Buch den Mut hat, die eigentlich schwierige Frage wirklich anzufassen: Zwei Frauen, die wissen dass ihre Mutter sie angesehen hat, neu und schreiend, und trotzdem gegangen ist. Das Schweigen nach dieser Silvesterbeichte.
Fazit: Will ich weiter lesen? Ja, und zwar wegen des Prologs. Das sowjetische Ballettsystem als Machtstruktur, die Belagerung von Leningrad als Hintergrund, Schwestern die nicht wählen können wer von ihnen ins Ausland darf, das trifft mehrere meiner grünen Flaggen gleichzeitig. Das Risiko ist, dass es sich in Richtung schönes historisches Frauenschicksal entwickelt ohne die psychologisch unbequemen Fragen wirklich zu stellen. Aber der Prolog gibt genug Hoffnung!