Träume im Rampenlicht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
davina Avatar

Von

Der Beginn des Buches hat mir außerordentlich gut gefallen. Der Prolog im belagerten Leningrad von 1941 setzt einen dramatischen und emotionalen Ton. Die tragische Geschichte der talentierten Ballerina Elisaweta, die nach der Geburt ihrer Zwillinge Maja und Natascha Selbstmord begeht, fesselt von der ersten Seite an. Der anschließende Wechsel in das Jahr 1958 zeigt die Schwestern am Vorabend ihres Abschlusses an der renommierten Waganowa-Ballettakademie. Die Mischung aus historischer Kulisse, der harten Welt des sowjetischen Balletts und der tiefen, fast symbiotischen Verbundenheit der ungleichen Zwillinge erzeugt sofort eine dichte, spannungsgeladene Atmosphäre.
Die Sprache der Leseprobe ist elegant, bildhaft und von einer melancholischen Schönheit geprägt. Der Autorin gelingt es meisterhaft, die anmutige Leichtigkeit des Tanzes mit der düsteren, entbehrungsreichen Realität der Sowjetzeit zu kontrastieren. Metaphern wie das mit Diamanten besetzte Armband für die Ränge des Kirow-Theaters oder der Vergleich des neugierigen Olaf mit einem Geier verleihen dem Text eine enorme visuelle Kraft und emotionale Tiefe.
Nach dem Abschluss der Leseprobe ist mein Interesse, das Buch weiterzulesen, riesig. Der finale Cliffhanger bricht wie ein Paukenschlag in das Leben der Schwestern: Aufgrund eines neuen Gesetzes der Regierung darf wegen der Fluchtgefahr ins Ausland immer nur ein Familienmitglied reisen – das Kirow-Ballett wird daher keine Geschwister mehr aufnehmen. Diese schockierende Nachricht stellt die beiden vor ein unlösbares Dilemma. Werden sie nun zu Konkurrentinnen um den einen begehrten Platz? Wie wird ihre tiefe Bindung an dieser politischen Grausamkeit zerbrechen? Ich möchte unbedingt erfahren, wie Maja und Natascha mit diesem Schicksalsschlag umgehen und welches Opfer sie für ihre Träume bringen müssen.