Der wahrscheinlich derbste Nesbø aller Zeiten.

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gürkchen Avatar

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Holger Rudi ist in Minneapolis gelandet, um den Spuren eines Mordes nachzugehen, der ihn seit sechs Jahren beschäftigt. Er gibt sich den Zollbeamten gegenüber als norwegischer Schriftsteller aus und unternimmt mit seinem persönlichen Taxifahrer Ausflüge zu den Schauplätzen der Ereignisse. Dabei versetzt er sich in die Gedankenwelt des Attentäters, der aus seiner Wohnung in einem Hochhauskomplex auf den zwielichtigen Waffenhändler und kleinen Mafia-Boss Dante, der eine Vorliebe für Gold hat, im Fadenkreuz abfeuert. Anschließend wird Bob Oz vorgestellt, der als Mordermittler gerade seine eigenen Probleme im Alkohol ertränkt, aber just in dem Moment, in dem er etwas unbeholfen flirtet, zu einem neuen Fall gerufen wird.

In seinem neuesten Werk lässt Nesbø seine Charaktere teilweise sehr derbe sprechen. Der Ermittler definiert sich selbst und sein Ego über One-Night-Stands. Frauen werden als reine Sexobjekte betrachtet und die vermeintlich untreue Ex-Partnerin wird vulgär beschimpft. Ich mag diese schmutzige Seite von Minneapolis, die das echte Leben im Ghetto ohne Beschönigungen zeigt. Es gibt Korruption, Dealer und Rassismus – ein dreifaltiges Messer gesellschaftlicher Schärfe, das der Autor mit gewohnter Leichtigkeit zu Papier bringt. Die Sätze wirken nicht gestellt, sondern wie Freitext aus dem echten Leben. Man spürt, wie der Spannungsbogen gekonnt aufgebaut wird, und die Qualität des Bestsellerautors wird mit jedem Werk noch ein Stück besser.

Der Ullstein Verlag gibt uns mit der Leseprobe einen Vorgeschmack auf ein spannendes neues Lesejahr und lässt die besinnliche Weihnachtszeit mit einem Knall enden, denn „Minnesota“ ist definitiv beste Unterhaltung.