Verzweifelte Schüsse aus Einsamkeit als Domino-Effekt
Bob Oz arbeitet als Polizist im Morddezernat und wäre eine super Spürnase, wenn er nicht gerade mit einigen privaten Problemen zu kämpfen hätte. Seit der Trennung von Alice und dem Verlust ihrer gemeinsamen Tochter Frankie durchlebt er eine Odyssee der Verlassenheitswut, die er mit viel Alkohol und zahlreichen One-Night-Stands zu unterdrücken versucht. Mit mäßigem Erfolg: Bob Oz manövriert sich immer tiefer an den Abgrund, bis er schließlich von den aktuellen Ermittlungen rund um den Mordversuch an einem schmierigen Drogenboss und Angehörigen der mächtigen Waffenlobby suspendiert wird. In dem Tierpräparator Mike Lunde sieht Bob bald mehr als nur einen Zeugen in diesem Fall und eine unfreiwillige Verbindung zu dem kaltblütigen Attentäter Tomas Gomez. Die beiden werden zu stummen Verbündeten bei der Recherche nach den Motiven des Killers mit Wurzeln in Lateinamerika und zu Leidgenossen im Kampf gegen die stille Einsamkeit.
Der Kriminalroman ist in zwei Zeitebenen aufgebaut. Der Teil mit Bob Oz aus dem Jahr 2016 nimmt den größten Raum ein und treibt die Spannung kontinuierlich voran. Im Jahr 2022 begleiten wir den Schriftsteller Holger Rudi zu einigen Schauplätzen von damals. Diese Kapitel hatten auf mich den Effekt von kleinen Verschnaufpausen, bevor wir sechs Jahre zurück wieder buchstäblich an die Front geschickt wurden. Denn an legalen und illegalen Waffen im Besitz von teilweise kindlichen Akteuren mangelt es in Minneapolis definitiv nicht.
Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und anscheinend auch ein zweites Norwegen. Der Verweis auf die Heimat des Autors wird beinahe zum Running Gag, und man bekommt das Gefühl, dass der Aufschwung im Mittleren Westen ohne die norwegischen Einwanderer deutlich geringer ausgefallen wäre.
Dem Autor gelingt es, die Kunst der Taxidermie – das Ausstopfen toter Lebewesen – mit der in Amerika besonders kontrovers geführten politischen Diskussion über den privaten Waffenbesitz geschickt zu verweben. In gewisser Weise ist es ein Polit-Thriller, der aber nicht in politische Tristesse abdriftet, sondern den ernsten Kern benennt und genügend Spielraum für eigene Meinungen und Gedanken lässt. Es gibt Korruption im Präsidium, Dealer an jeder Ecke und einen scheinbar nie enden wollenden Rassismus – ein dreifaltiges Messer gesellschaftlicher Schärfe, das der Autor mit gewohnter Leichtigkeit zu Papier bringt. Die Sätze wirken nicht gestellt, sondern wie Freitext aus dem echten Leben mit derber Wortwahl und zugleich verletzlicher Tiefe.
Mit „Minnesota“ zeigt Nesbo einmal mehr, dass er ein Tausendsassa ist und dass man mit fokussierter Recherche selbst ungewöhnliche Kombinationen in einen Thriller verpacken und damit Begeisterungsstürme in der Leserschaft auslösen kann. Mike Lunde wollte mit einem Labrador sein Meisterwerk in der Szene der Taxidermisten krönen, und ich bin geneigt zu behaupten, dass „Minnesota“ es durchaus auch verdient hätte, als das Meisterstück von Jo Nesbø bezeichnet zu werden.
Der Kriminalroman ist in zwei Zeitebenen aufgebaut. Der Teil mit Bob Oz aus dem Jahr 2016 nimmt den größten Raum ein und treibt die Spannung kontinuierlich voran. Im Jahr 2022 begleiten wir den Schriftsteller Holger Rudi zu einigen Schauplätzen von damals. Diese Kapitel hatten auf mich den Effekt von kleinen Verschnaufpausen, bevor wir sechs Jahre zurück wieder buchstäblich an die Front geschickt wurden. Denn an legalen und illegalen Waffen im Besitz von teilweise kindlichen Akteuren mangelt es in Minneapolis definitiv nicht.
Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und anscheinend auch ein zweites Norwegen. Der Verweis auf die Heimat des Autors wird beinahe zum Running Gag, und man bekommt das Gefühl, dass der Aufschwung im Mittleren Westen ohne die norwegischen Einwanderer deutlich geringer ausgefallen wäre.
Dem Autor gelingt es, die Kunst der Taxidermie – das Ausstopfen toter Lebewesen – mit der in Amerika besonders kontrovers geführten politischen Diskussion über den privaten Waffenbesitz geschickt zu verweben. In gewisser Weise ist es ein Polit-Thriller, der aber nicht in politische Tristesse abdriftet, sondern den ernsten Kern benennt und genügend Spielraum für eigene Meinungen und Gedanken lässt. Es gibt Korruption im Präsidium, Dealer an jeder Ecke und einen scheinbar nie enden wollenden Rassismus – ein dreifaltiges Messer gesellschaftlicher Schärfe, das der Autor mit gewohnter Leichtigkeit zu Papier bringt. Die Sätze wirken nicht gestellt, sondern wie Freitext aus dem echten Leben mit derber Wortwahl und zugleich verletzlicher Tiefe.
Mit „Minnesota“ zeigt Nesbo einmal mehr, dass er ein Tausendsassa ist und dass man mit fokussierter Recherche selbst ungewöhnliche Kombinationen in einen Thriller verpacken und damit Begeisterungsstürme in der Leserschaft auslösen kann. Mike Lunde wollte mit einem Labrador sein Meisterwerk in der Szene der Taxidermisten krönen, und ich bin geneigt zu behaupten, dass „Minnesota“ es durchaus auch verdient hätte, als das Meisterstück von Jo Nesbø bezeichnet zu werden.