Ehrliches Jugendbuch

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jr17 Avatar

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Eingebettet in reale Ereignisse des Sommers 2024 in Wien wird hier eine Geschichte erzählt, die nicht davor zurückschreckt, ambivalente Charaktere zu zeichnen. Mo musste fliehen, ist in Wien gelandet und beginnt eine Lehre als Friseur. Moritz fällt er auf, der spricht ihn an und langsam entsteht etwas, das Mo zuerst nicht zulassen kann, von dem er jedoch schnell akzeptiert, dass es wohl mehr ist als Freundschaft. Problem: Der eine ist Moslem, der andere Jude. Was für die beiden Jungs zunächst kein großes Problem darstellt, entpuppt sich für das Umfeld immer mehr als eines. Und ja doch auch für die beiden? Wem kann man denn was erzählen? Was macht man, wenn sich die übelsten Vermutungen über den eigenen Bruder bewahrheiten? Und wessen Loyalität ist die wichtigste? Hin und her gerissen zwischen Familienhäusern, jungen Gefühlen, schrecklichen Entdeckungen und Menschen in ihrem Umfeld, die an Menschlichkeit und Miteinander, an pragmatische Lösungen appellieren, finden sich nicht nur die Jungs, sondern auch die Leser immer wieder mit der Frage konfrontiert: Und was mache ich jetzt?
Auch wenn "show, don't tell" in diesem Buch toll umgesetzt ist, hätte ich mir persönlich etwas mehr Dialoge und eine insgesamt etwas längere Geschichte gut vorstellen können. Insgesamt aber ein tolles Buch, um aktuelle Konflikte und diejenigen, die dazwischen stehen, besser verstehen zu lernen.