Teilweise fortschrittliche, teilweise rückschrittliche Aussagen

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rudomekato Avatar

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Optisch ist das Nuch ironisch (dennoch passend) gestaltet, denn die Message richtet sich gegen Zwänge, doch die Gestaltung nervt mein persönliches OCD - vermutlich ist das von den Autor*innen eabsichtigt. Der Schreibstil ist in Ordnung, nur der Satz (die Anordnung von Text, Überschriften, Illustrationen) stört (für mich persönlich) den Lesefluss.

Bei der Umsetzung des Themas bin ich unschlüssig. Einerseits lassen sich fortschrittliche Argumentationen finden, wie etwa das Entstigmatisieren mentaler Krankheiten, oder dass medikamentöse Wirkungen individuelle sind (also nicht generalisiert werden) - d.h. es wird hervorgehoben, dass ein Medikament nicht bei jeder Person gleich wirkt und dass man durchprobieren muss, was (nicht) wirkt, aber auch, dass Medikamente allein keine Zwangsstörungen heilen.
Andererseits stoßen mir bestimmte Aussagen sauer auf, wie etwa, dass Homosexualität im selben Atemzug wie Missbrauch, Mord (S. 53) und Pädophilie (S. 54) erwähnt wird, was sehr leicht rüberkommt, als wäre Homosexualität genauso schrecklich (obwohl es etwas Natürliches ist). Das finde ich überaus misslungen (auch wenn das mutmaßlich nicht so intendiert war) und kritisch, da es die weitere Stigmatisierung unterstützt (es wird nämlich nicht erwähnt, dass man Homosexualität nicht mit Verbrechen gleichsetzen kann und da Vorsicht geboten ist). Ebenso kritisch finde ich, dass als Heilung für Hygienezwänge vorgeschlagen wird, sich absichtlich zu kontaminieren (und das Verb in Gänsefüßchen zu setzen), insbesondere Post-Corona erachte ich diesen Umgang kkritisch.

Es ist zwar nicht alles schlecht an dem Buch (wie geschrieben, es gibt auch positive Aspekte), aber sehr unvorsichtig geschrieben, v.a. von graduierten Mediziner*innen (und bei einem "Stift & Warentest"-Buch) sollte man mehr Vorsicht bzw. Qualität erwarten können.