Wertvoller und fundierter Ratgeber zum Thema "Zwänge"

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
regina1960 Avatar

Von

Der Ratgeber „Nimm den Zwängen die Macht“, herausgegeben von Stiftung Warentest, hat mich überzeugt und mir weitergeholfen. Ich selbst bin zwar nicht direkt Betroffene, allerdings einige Menschen in meinem privaten Umfeld. Daher wollte ich mich belesen, um Zwangsstörungen besser zu verstehen und sinnvoll unterstützen zu können. Mit Professor Dr. Ulrich Voderholzer, Prof. Dr. Rebecca Schennach und Dipl.-Psychologe Dr. Stefan Koch hat sich ein Expertenteam der Thematik angenommen, das Trio arbeitet am Fachzentrum für Psychosomatik & Psychotherapie in der renommierten Schön Klinik Roseneck. Das Buch basiert auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie, insbesondere der Expositionstherapie mit Reaktionsmanagement. Das hört sich kompliziert an für einen „Laien“, ich konnte allerdings alles Geschriebene auf den insgesamt 180 Seiten nachvollziehen und mir auch Einiges an Wissen und Informationen mitnehmen. Das Autorenteam schreibt wissenschaftlich fundiert und absolut verständlich. Rein optisch wirkt das Buch eher einfach wie eine Broschüre, was wohl an dem Soft-Cover liegt. Farblich ist es in nüchternem Grün gehalten, das sich im Inneren des Buches fortsetzt, um wichtige Informationen farblich besonders herauszuheben vom Text. Den Aufbau des Buches fand ich klug, logisch, und die insgesamt fünf Kapitel bauen inhaltlich hervorragend aufeinander auf. Die Autoren beginnen mit der Erklärung, was Zwänge sind und wann solche Krankheitswert haben. Die Antwort: Wenn sie die persönlichen Lebensbereiche wie Schule, Beruf, Ausbildung, privates Umfeld, extremst beeinflussen und zur absoluten Belastung werden für einen selber und das Umfeld. Die Ursache von Zwängen: Es gibt nicht die eine, die Gründe sind vielschichtig. Dann werden verschiedene Beispiele für Zwänge aufgeführt, unterschieden wird hier auch zwischen den häufigsten wie beispielsweise Waschzwänge, Kontrollzwänge, zwanghaftes Grübeln und den eher seltenen spezifischen Zwangshandlungen wie beispielsweise Zählzwang (Treppenstufen usw.). Die gute Nachricht und hier zitieren die Autoren dann auch Goethe: „Wer Großes erreichen will, der muss sich überwinden“: Wenn man sich den Zwängen stelle, könne man diese auch überwinden. Das Autorenteam berichtet dann durchaus von Menschen, die es so geschafft haben, ohne professionelle Hilfe. In schwereren Fällen sei dies jedoch nicht ohne fachlichen Beistand oder einen Klinikaufenthalt möglich. Da sei der Gang zum Hausarzt der erste Weg für eine Einschätzung. Der Einsatz von Medikamenten in Form von beispielsweise Antidepressiva (SSRI) wurde ebenfalls angesprochen. Dies könne in einigen Fällen eine erste Hilfe sein, eine Wunderpille gegen Zwänge gebe es allerdings nicht. Da es häufig sehr lange dauere, Termine bei entsprechend ausgebildeten Therapeuten zu bekommen, könne man mit Hilfe dieses Buches bereits etwas in der „Übergangszeit“ für sich tun. Und so sehe ich dann auch das Buch insgesamt: Als eine Chance, sich einen Überblick zu verschaffen, es vielleicht sogar selbst „heraus“ zu schaffen oder aber mit fachlicher Unterstützung. Die zahlreichen Bögen für die Selbstanalyse und daraus resultierende gezielte Übungen, die man individuell auf seine persönlichen Bedürfnisse ausrichten kann, erscheinen mir durchaus gewinnbringend und einen Versuch wert. Anhand vieler Grafiken und Bilder werden Inhalte optisch hervorgehoben und dadurch auch leichter verständlich dargestellt. Das gefällt mir sehr gut. Die Aufgabenstellungen, die dabei anleiten, sich mit den eigenen Zwängen auseinanderzusetzen und die vermittelten Inhalte umzusetzen, fand ich zielführend und überzeugend. Fazit: Es war für mich eine sehr informative Lektüre, die mir einen hervorragenden Gesamtüberblick über das komplexe Thema ermöglicht hat. Es bietet Ansätze, wie man mit Zwangsstörungen und Zwangsgedanken umgehen lernen kann und zeigt auf, wann es angebracht ist, wo man sich wann Hilfe suchen sollte. Das Buch vermittelt für mich Hoffnung und Zuversicht, den Glauben an sich zu bewahren und den Zwängen nicht zu viel Gewalt über sein Tun und Handeln geben zu lassen. Ob es Betroffenen wirklich helfen kann, vermag ich nicht einzuschätzen, dennoch kann der Ratgeber für mein Empfinden wichtige Impulse setzen. Mir hat es geholfen, die Störung besser zu verstehen, wodurch ich meine Bekannten nun deutlich besser und sinnvoller unterstützen kann.