So viel verschenktes Potenzial

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cindy Avatar

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Man muss schon sagen, das Buch ist wunderschön und wirklich richtig toll gestaltet. Auch der Anfang hat mich total abgeholt und ich war richtig neugierig auf die Geschichte. Eine dystopische Fantasy Welt hat sich nach einer richtig guten und spannenden Idee angehört. Die düstere Atmosphäre am Start und der Einstieg in die Story war genau das, was man sich von dem Buch erhofft hat.

Leider hat das dann aber auch sehr schnell nachgelassen. Das Buch hat ein unglaubliches Potenzial und ich glaube, von all den Büchern, in denen ich bisher bemängelt habe, dass die Umsetzung nicht ganz rund war, hat dieses hier mit Abstand das meiste Potenzial. Aber leider wurde das extrem verschwendet.

Mit der Protagonistin Esti hatte ich im Verlauf des Buches nämlich echte Probleme. Am Anfang fand ich sie noch richtig sympathisch, klug und mutig. Sie hat kein einfaches Leben und ist damit gut umgegangen. Aber im Laufe der Geschichte hat sie eine gefühlt totale negative Charakterentwicklung durchgemacht. Sie wurde auf einmal so naiv und hat so viele dumme, völlig unlogische Entscheidungen getroffen, dass sie mich irgendwann einfach nur noch genervt hat. Ich erwarte ja gar nicht, dass eine Protagonistin immer so handelt, wie man es selbst tun würde, aber man muss es doch wenigstens nachvollziehen können!

Auch was die Story angeht, kam man kaum vom Fleck. Es sind so viele Seiten, aber es ist einfach so wenig passiert. Man hatte super viele Längen und stand gefühlt ständig auf der Stelle. Es gab keine wirklichen neuen Informationen zur Welt oder zur Handlung und keine nennenswerte Charakterentwicklung. Ich habe absolut gar nichts gegen ruhigere Passagen, das hat jedes Buch und braucht es auch aber hier gab es ewig einfach gar nichts Wichtiges. Man hatte das Gefühl, 200 Seiten hätten locker gereicht, um den ganzen Plot zu erzählen.

Dazu kam, dass der Fokus viel zu sehr auf der Love Story lag, wodurch das Worldbuilding, die Plagen und die eigentlich so spannende Welt total vernachlässigt wurden. Und selbst die konnte mich überhaupt nicht abholen. Ich lese zum Beispiel auch sehr viel Dark Romance und bin es daher durchaus gewohnt, dass die Sprache mal derber ist, dass Männer dominant sind oder dass es ein gewisses Machtverhältnis gibt. Aber Varrik ist einfach eine Red Flag ohne Entwicklung. Außerdem hat mir einfach jegliche Chemie gefehlt. Die Anziehung beruhte nur aufs Äußere, es war die ganze Zeit nur eine oberflächliche, sexuelle Anziehung, kein Funke Romantik, keine echte Verbindung.

Was mich außerdem extrem genervt hat, war die Kommunikation zwischen den beiden. Ich sage ja nichts gegen direkte Worte oder sexuelle Anspielungen als Charaktereigenschaft, aber hier gab es gefühlt kein einziges normales Gespräch mehr. Selbst in süßen oder ruhigen Momenten, in denen sie endlich mal ernst miteinander reden wollten (was auch eher selten war), hat Varrik sofort wieder eine sexuelle Anspielung reingebracht und damit alles kaputtgemacht. Das war auf Dauer einfach super anstrengend zu lesen.

Die Nebencharaktere, die ich an sich eigentlich ganz cool fand, wurden leider auch kaum ausgearbeitet oder richtig genutzt.

Das Ende hat das Buch auf den letzten Metern dann zwar noch mal ein bisschen rausgerissen, da der Plottwist wirklich komplett unerwartet kam und der noch mal neugierig auf ein paar Antworten macht aber es hat eben nicht gereicht, um alle Schwächen auszugleichen.

Ich mag eine starke Atmosphäre, tolles Worldbuilding und eine greifbare Chemie zwischen den Figuren zu gerne, daher kann ich es leider nicht besser bewerten, obwohl ich es gerne mögen wollte. Weil so vieles für mich nicht gestimmt hat, bin ich mir jetzt auch noch überhaupt nicht sicher, ob ich Geld für den zweiten Band ausgeben und weiterlesen möchte. Schade um das riesige Potenzial..