Einzigartige, aber fordernde Fantasy

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coni90 Avatar

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„Queen of Faces“ von Petra Lord ist eine unglaublich dichte, vielschichtige und vor allem ungewöhnliche Fantasygeschichte. Die Handlung ist so tiefgründig und voller Erzählstränge, dass ich gar nicht genau weiß, wie ich sie in wenigen Sätzen zusammenfassen soll.

Erzählt wird überwiegend aus zwei Ich-Perspektiven: Ana und Wes. Ana steckt im Körper eines männlichen Standardmodells, weil ihre Mutter sich in Anas Kindheit keinen anderen Körper leisten konnte als sie schwer krank wurde und drohte zu sterben. Doch nun hat auch dieser Körper nur noch ca. 1 Jahr zum Überleben und so versucht Ana, sich einen neuen Körper zu stehlen, in den sie auf magische Art ihr Mark transferieren kann. Dabei wird sie erwischt und bekommt vom Professor der magischen Universität Paragon eine ungewöhnliche Alternative zum Gefängnis angeboten: Sie soll für ihn als eine Art Assassine arbeiten und zudem als Lakai an die Universität kommen.

Wes wiederum ist eigentlich im Körper eines Mädchens geboren und war zunächst selbst Studentin an der Paragon. Nachdem Ana auf ihrer Flucht nach dem Körperdiebstahl in einem Kampf mit ihr fliehen konnte, wurde sie jedoch von ihrer Mutter verstoßen und befindet sich fortan in einem Jungenkörper in der Gosse. Aufgrund dessen sinnt Wes auf Rache – an Ana und der Person, die ihren Platz bei ihrer Mutter eingenommen hat und an ihrer statt an die Paragon Universität geht. Doch auch Wes erhält ein Angebot von Professor Carriwitch als Assassine, das sie nicht ablehnen kann, wenn sie der Gosse entfliehen möchte: Sie soll Ana auf ihren Einsätzen unterstützen...

Die Welt ist dystopisch, magisch und kreativ. Petra Lord schaffte es gut, einen ohne großes Nachschlagewerk in diese komplexe Welt hineinzuführen. Trotzdem habe ich nicht immer alles verstanden, vor allem z.B. bei physikalischen Inhalten oder ausschweifenden Beschreibungen der vielen Orte, und musste mich beim Lesen generell ziemlich konzentrieren.

Dafür konnte mich die Geschichte immer wieder überraschen. Obwohl sich das Prinzip der Körperwechsel theoretisch schnell abnutzen könnte, war ich gerade in Actionszenen jedes Mal aufs Neue fasziniert und wusste oft nicht, was als Nächstes passieren würde. Dass ich so wenig vorhersehen konnte, fand ich wirklich großartig.

Auch die Figuren entwickelten sich schön weiter und besonders die entstehende Freundesgruppe rund um Ana habe ich ins Herz geschlossen, weil sie für zartere Momente sorgte. Zwischen all der Düsternis gab es nämlich auch immer wieder weiche und berührende Momente. Nichtsdestotrotz ist die Bezeichnung "Dark Fantasy" Programm, was mir ausgesprochen gut gefallen hat!

Allerdings war das Buch für mich stellenweise auch etwas anstrengend. Es passierte unglaublich viel, gleichzeitig zog sich der Aufbau und die vielen bildhaften Beschreibungen etwas in die Länge und zwischendurch gab es ein paar zähe Passagen. Ich kam deshalb nur langsam voran und hatte irgendwann das Gefühl, dass es dann auch langsam mal enden darf.

Trotzdem bleibt „Queen of Faces“ für mich eine sehr einzigartige, kreative und überraschende Fantasygeschichte. Man muss etwas Kampfgeist mitbringen, aber wer sich darauf einlässt, bekommt eine düstere und vielschichtige Welt mit tollen Ideen. Ich bin gespannt auf die bereits angekündigte Fortsetzung (zumindest die englische Version) und werde sie sicherlich lesen, freue mich aber ehrlich gesagt auch darauf, mich jetzt nach 620 Seiten erst einmal wieder einem anderen Buch zu widmen.