Wie viel ist dein Körper wert?

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claraa Avatar

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Im Mittelpunkt von Petra Lords fantasievollem Romandebüt steht Ana, die seit einer schweren Erkrankung in einem möglichst günstigen, fehlerhaften männlichen Ersatzkörper lebt. Dabei lassen sich nicht nur wahnsinnig interessante Parallelen zu trans*Identitäten ziehen, sondern die Geschichte thematisiert auch die Politisierung des Körpers sowie die Ungleichheit im Gesundheitswesen. Diese Feinfühligkeit und Realitätsnähe gehören für mich zu den größten Stärken des Romans. Auch an vielen anderen Stellen zeigt das Buch auf eindrückliche Weise die Gefahren der Klimakrise, die Folgen kolonialer Gewalt oder die Gräueltaten des Krieges.

Das Konzept ist dystopisch: Designerkörper werden als Luxusobjekte verkauft, Körper können gekauft oder gegen bessere Modelle ausgetauscht werden. Ein Sinnbild für Materialismus und die letzte Stufe des Spätkapitalismus, in der ein gesunder Körper, oder überhaupt ein Körper, längst kein grundlegendes Menschenrecht mehr ist. („Der Körper ist ein Privileg. Das Gedächtnis ist ein Privileg. Der Name ist ein Privileg.“)

Gleichzeitig sorgt das System trotz seiner starren Klassengesellschaft für Fluidität und Möglichkeiten und Raum für Revolutionen. Ana mag zwar von den Landwirtschaftsinseln sein, aber kämpft für einen Neuanfang und für sich selbst. Das macht das Buch hoffnungsvoll und Ana zu einer würdigen Heldin in einer Geschichte mit tausenden Gesichtern:

"Ein Dämon gebiert einen Engel. Ein Narr gebiert ein Genie." Er sah mich an. "Und ein Bauer gebiert eine Königin."

Die Welt in Queen of Faces ist dabei ebenso komplex und vielschichtig wie ihre Charaktere. Keiner von ihnen wird als moralischer Übermensch oder skrupelloser Bösewicht inszeniert. Stattdessen bleiben sie menschlich, widersprüchlich und fehlerhaft.

Es ist offensichtlich, dass die Autorin viel Zeit und Liebe in die Planung und Ausgestaltung ihrer Welt investiert hat. Das bringt viele Stärken mit sich, hat aber auch den Nachteil, dass nicht alles, was das Buch erreichen möchte, vollständig aufgeht. Manche klugen Allegorien bleiben im dicht gestrickten Magiesystem etwas hängen, während eigentlich spannende Charaktere mich emotional eher kaltgelassen haben.

Dennoch kann ich das Buch Fans von YA-Fantasy empfehlen. Und selbst ich, die sich normalerweise nicht in das Dickicht dieses Genres begibt, konnte einiges aus diesem Roman mitnehmen.

"Mein fraktales Auge schaute zurück und sah all die Gesichter, die ich gewesen war. Es schaute nach vorn und sah all die Gesichter, die ich sein könnte."

Vielen Dank an den Heyne-Verlag und das Vorablesen-Team für das Rezensionsexemplar!