Red

Verlorene Seelen

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mannuberbord Avatar

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Louise Kennedy erzählt in ihrem zweiten Roman von verlorenen Seelen. Was wie eine Coming-of-Age-Geschichte anfängt und zugleich der Beginn einer Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern in der irischen Provinz, Red und Róisín, zu werden verspricht, entwickelt sich mit der Zeit zu einem vielschichtigen Porträt vom irischen Exil in London in den 1980er Jahren und darüber hinaus. Dabei gelingt ihr eine eigentlich unmögliche Balance. Kennedy erzählt szenisch, in klarer, unverschnörkelter Sprache, und doch kunstvoll. Ihren Figuren haftet eine Traurigkeit an, die nie ins Melodramatische kippt. Sie erzählt schonungslos, aber nicht unbarmherzig von Enttäuschung, Drogensucht und Tod, und dennoch ist das Buch nie ganz hoffnungslos, auch wegen des tiefschwarzen Humors, der den Roman durchtränkt. Noch mehr als in ihrem starken Debütroman "Übertretung" beweist Kennedy hier ihr ganzes Erzähltalent. Durch kleine Beobachtungen lässt sie selbst Nebenfiguren dreidimensional werden. Der Roman ist ambitioniert, beinhaltet Zeitsprünge, und hat den Mut, Leserinnen und Leser die Lücken selbst füllen zu lassen. Ein beeindruckend starkes Buch, mit der Louise Kennedy sich endgültig als große Stimme in der irischen Literatur etabliert.