Sehr spannend und leicht zu lesen: True Crime Vibes an der Uni

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Mit Schattenmädchen legt Frida Skybäck den dritten Band um Fredrika Storm und Henry Calment vor, und obwohl ich erst mit Eisenblume in die Reihe eingestiegen bin, hatte ich nie das Gefühl, hinterherzulaufen. Die Figuren tragen ihre Vorgeschichten mit sich, doch sie werden nicht ausgestellt, sondern fließen selbstverständlich ein.
Der Roman beginnt mit der Entführung einer Studentin. Kaum hat man das registriert, steht man schon mitten auf dem Campus der Universität Lund, in Seminarräumen, in Büros mit geschlossenen Türen, in einer akademischen Welt, die nach außen geordnet wirkt und darunter Risse zeigt. Relativ früh fällt der Blick auf ein Technologieunternehmen und dessen CEO, dessen Auftreten kontrolliert und durchgeplant erscheint, was bei mir eher Misstrauen als Bewunderung ausgelöst hat.
Die Ermittlungen bleiben klar geführt. Mich hat beeindruckt, wie konsequent Skybäck bei Fredrika und Henry bleibt und Nebenschauplätze nur dann öffnet, wenn sie wirklich tragen. Gerade wenn Fredrika einer Spur näherkommt, wird sie unterbrochen, durch Vorgesetzte, durch neue Entwicklungen, durch Zufälle. Dieses wiederholte Abbrechen hat mich beim Lesen tatsächlich ungeduldig gemacht, was vermutlich genau der Effekt ist, den der Text erzielen will.
Fredrika selbst sehe ich immer noch mit einer Mischung aus Zuneigung und leiser Irritation. Ihre Empathie für die Angehörigen der Verschwundenen zeigt sich in kleinen Gesten, in Gesprächen, die nicht spektakulär sind, aber nachhallen. Gleichzeitig würde ich sie gern manchmal anstoßen, vor allem in ihrer Beziehung, in der sie zögert, obwohl eine Entscheidung längst überfällig scheint. Bei Henry läuft ebenfalls nicht alles rund, doch diese privaten Fäden bleiben zurückhaltend eingewoben und verschieben das Gewicht nie vom Fall weg.
Im letzten Drittel ziehen die Ereignisse spürbar an. Mehrere Perspektiven lassen Schuld erahnen, ohne sie festzuschreiben. Als sich die losen Enden schließlich verbinden, kam die Auflösung für mich überraschend, wenn auch nicht vollständig abschließend. Dass nicht jede Frage restlos geklärt wird, empfinde ich als folgerichtig, weil es der Realität näherkommt als eine sauber versiegelte Lösung. Der Epilog setzt einen ruhigen, nachdenklichen Schlusspunkt.
In den Nachbemerkungen wird deutlich, dass reale Vorfälle an der Universität Lund Pate standen, insbesondere ein Geheimbund, der ein Klima von Diskriminierung, Sexismus und Schweigen begünstigte. Dieses Wissen legt sich im Nachhinein noch einmal über die Geschichte und verschiebt ihren Ton.
Ich habe die 445 Seiten zügig gelesen, nicht, weil sie spektakulär wären, sondern weil sie konstant in Bewegung bleiben.