Fragile Mutter-Tochter-Beziehung

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dany_87 Avatar

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In Ihrem Roman "Schlaf", erschienen im Ullstein-Verlag, zeichnet die Autorin Honor Jones eine fragile Mutter-Tochter-Beziehung. Im Zentrum der Geschichte steht Margaret. Diese ist zusammen mit ihrem älteren Bruder in einem wohlhabenden Villen-Viertel aufgewachsen, die beste Freundin direkt in der Nachbarschaft. Ihre Mutter Elizabeth hat stets viel Wert auf gutes Benehmen gelegt. Wenn Elizabeth mit dem Verhalten ihrer Tochter nicht einverstanden war, strafte sie diese mit Liebesentzug und insbesondere, wenn Margaret Wiederworte gab, schlug ihr die Kälte und Missachtung der Mutter entgegen.

Als Leser begleiten wir Margaret über einen längeren Zeitraum. Als junges Mädchen, wie sie Verstecken unter Brombeersträuchern spielt, als Heranwachsende, wo sie erste Erfahrungen mit dem „Frau-werden“ sammelt und später als alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern.

Im Hintergrund der Geschichte spielt die „Me-Too“-Debatte eine große Rolle, da Margaret in New York für eine Zeitung arbeitet und auf der Suche nach entsprechenden Geschichten ist. Gleichzeitig erfährt der Leser, dass es in ihrer eigenen Vergangenheit ganz ähnliche Situationen gab. Wir erfahren, dass gerade Elizabeth, die ihre Tochter eigentlich hätte schützen müssen, dies nicht getan hat. Es geht um missbräuchliche Situationen, um Wegsehen und Totschweigen.

Das Cover passt sehr gut zur Geschichte, da es vermutlich die Villa zeigt, in der Margaret als Kind aufgewachsen ist und wo sie nun, da ihre Mutter im Sterben liegt, zurückkehrt. Generell halten wir uns während dieser Geschichte sehr viel im Elternhaus der Protagonistin auf. Hier kommen auch immer wieder alle möglichen Nebenfiguren wieder zusammen.

Die Geschichte ist ruhig, aber eindringlich. Der Autorin gelingt es, ein schwieriges Thema ernsthaft anzugehen, aber den Roman nicht zu schwer werden zu lassen. Die Mutter-Tochter-Beziehung zeichnet Honor Jones sehr authentisch und lebendig. Man kann sich gut in Margaret hineinfühlen. Wie sie immer wieder, schon als kleines Mädchen, versucht, die Aufmerksamkeit und Liebe ihrer Mutter zu gewinnen und gleichzeitig gegen offensichtliches Fehlverhalten rebelliert. Ich habe die Geschichte, trotz seines schweren Themas, sehr gerne gelesen und kann sie sehr empfehlen.