Gemischte Gefühle

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lese.laus Avatar

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Honor Jones‘ Roman „Schlaf” (aus dem Englischen von Claudia Voit) schafft bereits mit dem Cover ein etwas mulmiges Gefühl. Ein pompöses Haus inmitten von Grün an einem lauen Sommertag – klingt angenehm und fein, doch werfen Bäume und Sträucher Schatten, zeigen Flecken auf, die gern im Verborgenen liegen, doch bereits durch einen Windhauch aufgefegt werden können.

Die Geschichte dreht sich um Margaret, beginnt in ihrer Kindheit umgeben von ihrer besten Freundin und den Nachbarsjungen, ihrem älteren Bruder und einer eher gefühlskalten Mutter. Auch hier sind es Sommertage, an die sie immer wieder zurückdenken muss. Das erste Mal, als sie im Badeanzug anders angesehen wurde, angegriffen wurde, und nicht mal ihre Mutter ihr Schutz geben wollte. Bloß nicht hinsehen, dann muss sich auch nicht mit schwierigen Themen auseinandergesetzt werden, war das Leitmotiv ihres Aufwachsens. Margaret versuchte noch, sich gegen die Jungs zu behaupten, doch als auch das ihr nur Ärger brachte, verstummte sie immer mehr. „Sie hatte diese Spuren in die Oberfläche der Welt gekratzt. Sie war nicht noch einmal zurückgeworfen worden.“ Als sie dann eines Tages eine Kamera, versteckt in ihrem Badezimmer findet, beginnt eine ganz neue Art des Grauens für sie. Auch hier ist sie auf sich gestellt, ihre Mutter sieht nur zu gerne weg, der Bruder doch so gut zu ihr. Als sie Jahre später mit ihren eigenen Kindern zurück in dieses Haus muss, kommt dieser eine Sommer immer wieder zu ihr zurück und Margaret versucht, die Geschehnisse ihrer Kindheit aufzuarbeiten.

Ein Roman, der tief schneidet und berührt, wütend macht und nach Aufschrei ruft. Ich fand den Ton sehr stimmig und gut zu lesen, bin auch schon seit Längerem begeistert von Claudia Voits Übersetzungen. Zum Ende hin fand ich das Buch dann leider etwas zu seicht, das Thema für mich etwas zu wenig ausgearbeitet.