Komplizinnen der Gewalt
Was beeinträchtigt Opfer von sexuellen Übergriffen im weiteren Verlauf ihres Lebens am meisten: die Tat als solches, die Scham, darüber zu reden, oder die Ignoranz und Leugnung des Sachverhalts durch die Sorgeberechtigten? Dieser Frage geht Honor Jones fein nuanciert nach in ihrem Familienroman mit dem sprechenden und vieldeutigen Titel "Schlaf".
Margaret, mit ihren zehn Jahren intelligent und gewitzt, wächst auf in einem großzügigen Eigenheim inmitten sprießender Natur auf einem ausladenden Grundstück mit Pool. Den Konsum von Nahrung und Kleidung schränken keinerlei Grenzen ein.
Was ihr fehlt, ist das mütterliche Einfühlungsvermögen, das ihre persönlichen Grenzen respektiert, das wird schon deutlich in der einleitenden Szene. Zufällig entdeckt Margaret wenig später Vorkehrungen ihres älteren Bruders, ihr Intimleben auszuspähen und dessen Freunde daran teilhaben zu lassen, was in einer bedrohlichen Situation gipfelt.
Als Margaret erwachsene Mutter zweier Töchter wird und sie nach gescheiterter Ehe eine neue Partnerschaft eingeht, wird klar, dass dieses vergangene Vorkommnis alle Beziehungen vergiftet. Szenen voller subtiler männlicher Dominanz durchziehen das gesamte Leben. Auch der Bruder Neal hat sich nicht verändert: seine unscheinbare Frau wird nicht einmal beim Namen genannt.
Der Körperteil "Po" zieht sich leitmotivisch durch die Geschichte, einmal sogar im Internet als Präsentationsfläche für Kunst. Und irgendwann erfährt man auch mehr oder weniger zwischen den Zeilen, warum die Mutter Elizabeth in ihrer eigenen Ursprungsfamilie keine Empathie lernte, weshalb sie zeit ihres Lebens der glänzenden Fassade alles andere unterordnet. Die glaubwürdig dargestellten Handlungsabschnitte bettet Jones ein in poetische Schilderungen der Natur und der Interieurs. Die inneren Vorgänge konnte ich mühelos nachvollziehen, was mir die flüssige Lektüre erleichterte trotz des fordernden Themas.
Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis dessen, weshalb die Scham die Seiten wechseln muss.
Margaret, mit ihren zehn Jahren intelligent und gewitzt, wächst auf in einem großzügigen Eigenheim inmitten sprießender Natur auf einem ausladenden Grundstück mit Pool. Den Konsum von Nahrung und Kleidung schränken keinerlei Grenzen ein.
Was ihr fehlt, ist das mütterliche Einfühlungsvermögen, das ihre persönlichen Grenzen respektiert, das wird schon deutlich in der einleitenden Szene. Zufällig entdeckt Margaret wenig später Vorkehrungen ihres älteren Bruders, ihr Intimleben auszuspähen und dessen Freunde daran teilhaben zu lassen, was in einer bedrohlichen Situation gipfelt.
Als Margaret erwachsene Mutter zweier Töchter wird und sie nach gescheiterter Ehe eine neue Partnerschaft eingeht, wird klar, dass dieses vergangene Vorkommnis alle Beziehungen vergiftet. Szenen voller subtiler männlicher Dominanz durchziehen das gesamte Leben. Auch der Bruder Neal hat sich nicht verändert: seine unscheinbare Frau wird nicht einmal beim Namen genannt.
Der Körperteil "Po" zieht sich leitmotivisch durch die Geschichte, einmal sogar im Internet als Präsentationsfläche für Kunst. Und irgendwann erfährt man auch mehr oder weniger zwischen den Zeilen, warum die Mutter Elizabeth in ihrer eigenen Ursprungsfamilie keine Empathie lernte, weshalb sie zeit ihres Lebens der glänzenden Fassade alles andere unterordnet. Die glaubwürdig dargestellten Handlungsabschnitte bettet Jones ein in poetische Schilderungen der Natur und der Interieurs. Die inneren Vorgänge konnte ich mühelos nachvollziehen, was mir die flüssige Lektüre erleichterte trotz des fordernden Themas.
Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis dessen, weshalb die Scham die Seiten wechseln muss.