sehr emotionales Thema

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bobbember Avatar

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„Schlaf“ von Honor Jones ist ein Buch, das mich wirklich beeindruckt hat – auch wenn es emotional alles andere als leicht zu lesen ist.

Die Geschichte begleitet Margaret, die mit ihren eigenen Töchtern in ihr Elternhaus zurückkehrt, während ihre Mutter im Sterben liegt. Dieser Ort ist jedoch weit mehr als nur ein Zuhause – er ist gefüllt mit Erinnerungen, Konflikten und lange verdrängten Erfahrungen. Während dieses intensiven Sommers setzt sich Margaret nicht nur mit dem Abschied auseinander, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit: mit Situationen aus ihrer Kindheit, in denen sie mit unangenehmer Aufmerksamkeit umgehen musste, mit einer Mutter, die Fürsorge oft mit Kontrolle verwechselte, und mit Momenten, die ihr Verhältnis für immer geprägt haben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie das Buch zeigt, dass sich Perspektiven im Laufe des Lebens verändern. Als Kind nimmt man vieles anders wahr, oft unreflektiert oder ohnmächtig – während man als Erwachsene, und vor allem als Mutter, beginnt, Zusammenhänge neu zu verstehen und anders einzuordnen. Genau diese unterschiedlichen Blickwinkel werden hier sehr eindringlich und glaubwürdig dargestellt.

Gleichzeitig macht genau dieses Hintergrundwissen das Lesen manchmal schwer. Die Themen sind sensibel und gehen unter die Haut, sodass man das Buch nicht einfach „weglesen“ kann. Es fordert einen emotional heraus und zwingt zum Innehalten.

Trotzdem – oder gerade deshalb – mochte ich das Buch sehr. Es ist tiefgründig, ehrlich und regt zum Nachdenken an, auch über die eigene Wahrnehmung von Familie, Kindheit und Selbstbestimmung.

Ein sehr bewegender Roman, der nicht immer leicht ist, aber lange nachwirkt.