Sensibel und erfrischend erzähltes Kindheitstrauma

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
edda Avatar

Von

Die 10-jährige Margaret wächst mit ihrer Familie in New Jersey auf.
Nach 25 Jahren kehrt Margaret in ihr Elternhaus zurück, da die Mutter nach Schlaganfällen im Sterben liegt. Die Mutter, die ihr Leben lang dominant gewesen ist.
Margaret beschreibt ihr Leben und die Verknüpfung zu ihrer Familie.
Inzwischen hat Margaret eigene, sehr lebendige Kinder, ist geschieden, neu verliebt.
Ihr Hauptanliegen ist, ihre beiden Töchter zu lieben und zu schützen.
Doch eines lässt sie nicht los. Als Kind, während sie schlief, kam ihr älterer Bruder, der von den Erwachsenen geliebte, zu ihr ins Zimmer und fasst sie an, missbraucht sie somit, macht heimliche Videoaufnahmen.
Margaret überwindet dies nicht, es folgt ihr in ihrer weiteren Sichtweise hinein in ihr Leben, Sie erzählt dies niemandem, nicht ihrer Freundin Biddy, nicht ihren Eltern nicht ihrem neuen Freund. Sie wuchs in einer Atmosphäre der Sauberkeit und Moral auf. Mädchen hatten sich gegenüber Jungen unterzuordnen. Die herrschenden Geschlechterrollen der Generation ihrer Eltern ließen sie, als Kind, in ihrem Sosein mit ihren Eigenschaften keinen Platz finden. Sie fühlte sich ungerecht behandelt und kann dies nicht ansprechen oder ausdrücken.
Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert:
1. Teil die Kindheit
2. Teil Margaret als Erwachsene und selber Mutter

Sensibel und leise mit beunruhigenden Untertönen geschrieben, eindrucksvoll und selbstbewusst dargestellt. Die Demütigungen, die Margaret empfindet und das schwierige Verhältnis zur dominanten Mutter – die ihr doch eigentlich hätte beistehen können und sollen, wenn ihre Moral und ihre Rolle es zugelassen hätten. Das macht die Spannung aus, die Betroffenheit steigt und damit auch eine schaudernde Neugier, das Drama distanziert zu verfolgen. Man hat das Gefühl, dass Margaret es schon richtig macht, die Hoffnung schimmert in jedem Satz durch. Man kann sich in sie und in viele Situationen hineinversetzen und hat den richtigen Abstand trotz der Betroffenheit.
Mit der Last ihrer Vergangenheit kann Margaret, als Erwachsene, wenn es um ihre eigene Tochter geht, nicht adäquat reagieren.
Als Elizabeth im sterben liegt, kommt es nur zum Ansatz eines Aussprechens verschiedener Perspektiven und durch die Frage an Neal, ihren Bruder, der eine oberflächliche Antwort gibt, setzt ein Heilungsprozess ein „Es war nur eine Frage der Distanz, es ging darum manche Dinge mit dem richtigen Abstand zu betrachten und andere ganz nah heranzuholen“ sagt sie in einem anderen Zusammenhang..

Das Buch liest sich flüssig, ist spannend vor allem wegen der Beschreibung der Diskrepanz zu ihrer Mutter, deren Dominanz und Frauenrolle und Margarets Verhältnis zu ihrer eigenen Sexualität. Die Verhinderungen von Margarets lebendigem Wesen machen betroffen. Stark ist, dass sie in ihrem Erwachsenensein eine beruflich erfolgreiche Frau mit großer Liebe und Verantwortungsbewusstsein ihren Töchtern gegenüber geworden ist. Margaret kommt taff und selbstbewusst rüber trotz ihrer Verletzung. Sensibel und klug betrachtet sie ihre Umwelt. Eine working mum, die sich trotz Verletzungen ihren Weg bahnt. Der Schmerz wird letztendlich ausgesprochen und an die beteiligten Personen gerichtet. Das macht den Roman so erfrischend trotz der Tragödie.
Sehr empfehlenswert!