Sensibler und leiser Roman mit emotionaler Wirkung

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Da ich ein großer Fan amerikanischer Literatur bin, bin ich immer sehr an Neuerscheinungen und Debüts in diesem Genre interessiert. „Sleep“ hatte ich dank einer Empfehlung der New York Times schon auf meiner Wunschliste, umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass ich die deutsche Übersetzung lesen durfte.
„Schlaf“, der Debütroman der US-amerikanischen Autorin und Journalistin Honor Jones, hat mich durch seine sensible Sprache und emotionale Wirkung vollends begeistert und hallt bei mir sicher noch lange nach. Die Geschichte um Margaret, die versucht, sich von den Geheimnissen ihrer Kindheit, welche sie bis ins Erwachsenenalter beeinflussen, zu befreien, hat mich zutiefst berührt. Eindringlich erzählt Honor Jones von Familiendynamiken, Familiengeheimnissen, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, von Sprachlosigkeit, Scham und innerer Zerrissenheit. Gut gefallen hat mir die Entwicklung, die Margaret durchläuft. Viele Jahre ihres Lebens werden durch Sprachlosigkeit dominiert, hervorgerufen durch Scham und fehlenden Rückhalt in der Familie. Stück für Stück findet sie jedoch ihre eigene Stimme und letztendlich die Kraft, dieser zu folgen. Auch das meiner Meinung nach zentrale Element des Buches – die Beziehung zwischen Müttern und ihren Töchtern – wird vielfältig, einfühlsam und ehrlich beschrieben. Man spürt, dass Margaret innerlich zerrissen ist zwischen Ablehnung und Zuneigung zu ihrer Mutter, dass trotz all der negativen Erfahrungen auch eine Weichheit, eine zarte Verbindung vorhanden ist, die Margaret versucht, aufrecht zu erhalten.
Ein leiser, sensibler Roman, der schon jetzt zu meinen Highlights 2026 gehört.