traurig zu lesen

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„Schlaf“ von Honor Jones ist ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der mich vor allem emotional sehr berührt hat. Die Geschichte ist stellenweise wirklich traurig, weil sie schonungslos zeigt, wie prägend – und verletzend – das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter sein kann.

Im Zentrum steht Margaret, die mit ihren eigenen Töchtern in ihr Elternhaus zurückkehrt, während ihre Mutter im Sterben liegt. Dieses Haus ist kein Ort der Geborgenheit, sondern voller schwieriger Erinnerungen. Ihre Mutter Elizabeth erscheint dabei als kontrollierend und kühl – eine Frau, die mehr Wert auf Haltung und äußere Ordnung legte als auf echte Empathie. Gerade diese Distanz hat mich beim Lesen oft betroffen gemacht.

Nach und nach setzt sich Margarets Vergangenheit zusammen: Erfahrungen aus ihrer Kindheit, unangenehme Situationen mit Jungen, familiäre Dynamiken und ein einschneidendes Erlebnis am Pool, das ihr Verhältnis zur Mutter nachhaltig geprägt hat. Dabei wird deutlich, wie sehr Margaret darum kämpft, sich von den Erwartungen ihrer Mutter zu lösen und ihren eigenen Weg zu finden.

Was das Buch besonders macht, ist seine dichte, fast schon schwebende Atmosphäre. Es passiert gar nicht so viel im klassischen Sinne – stattdessen lebt der Roman von Erinnerungen, Stimmungen und inneren Prozessen. Genau das hat mir einerseits gut gefallen, weil es sehr intensiv und literarisch wirkt. Andererseits hat mir an manchen Stellen etwas mehr Handlung gefehlt, um die Geschichte noch greifbarer zu machen.

Insgesamt ist „Schlaf“ ein stilles, melancholisches Buch über Familie, Identität und das Ringen um die eigene Stimme. Kein leichtes Lesen, aber ein eindrucksvolles – auch wenn ich mir hier und da etwas mehr Dynamik gewünscht hätte.