Ungewöhnlich

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In „Schlaf“ folge ich dem Lebensweg von Margaret über viele Jahrzehnte. Zuerst liegt der Fokus auf ihren jungen Jahren und der komplizierten, oft schwierigen Dynamik mit ihrer Mutter Elisabeth. Ein einschneidendes Erlebnis in der Kindheit muss Margaret fast völlig allein bewältigen. Das prägt sie nachhaltig – sowohl als Erwachsene als auch später in ihrer eigenen Mutterrolle. Der Roman zieht einen weiten Bogen von der Jugend bis ins reife Alter und zeigt auf, wie das Schweigen in einer Familie und verdrängte Momente eine Biografie bestimmen können.

Das Werk gliedert sich in verschiedene Abschnitte. Im ersten Teil erlebe ich Margaret als fröhliches, lebenshungriges Kind. Ihre frühen Jahre stecken voller Abenteuer; sie begegnet der Welt als aufgewecktes, neugieriges Mädchen mit einer beeindruckenden Offenheit. Dann jedoch folgt ein tiefer Einschnitt. In den späteren Kapiteln ist Margaret erwachsen. Ich nehme an ihrem Alltag als Mutter und geschiedene Frau teil und spüre deutlich, wie sehr sie mit sich und ihrem Schicksal ringt.

Der Unterschied könnte kaum deutlicher sein. Während das Kind vor Vitalität sprühte, wirkt die erwachsene Margaret auf mich oft matt und vom Leben gezeichnet. Alles scheint ihr schwerzufallen, und oft habe ich den Eindruck, sie müsse sich und ihre Haltung ständig rechtfertigen. Ich konnte förmlich fühlen, wie die Last der Vergangenheit und die unausgesprochenen Traumata sie bis in ihre Zeit als Ehefrau verfolgen.

So wie Margaret als Erwachsene eine ständige Müdigkeit ausstrahlt, so empfand ich auch die mittleren Passagen als eher langatmig. Es geschieht dort nicht mehr viel im Außen; stattdessen stehen die Atmosphäre und das Innenleben im Zentrum. Dass Margaret am Versuch scheitert, die Beziehung zu ihrer Mutter zu heilen, drückt die Stimmung zusätzlich. So schmerzhaft dieser Teil auch ist, so sehr hat er sich für mich leider auch gezogen.

Erst im finalen Drittel stieg mein Interesse wieder. Die Lage bei den Eltern spitzt sich zu, und es wird klar, dass ein Ereignis bevorsteht, das alles ins Wanken bringt. Was genau geschieht, behalte ich natürlich für mich. Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen – er ist flüssig, atmosphärisch und sehr lebhaft. Mich hat beeindruckt, wie präzise die Stimmungen der Figuren vermittelt werden; das hat mich tief in die Erzählung hineingezogen.

Wer eine durchgehend spannende Story sucht, wird hier eventuell an Grenzen stoßen, da das Buch im Mittelteil an Fahrt verliert und sich stark auf seelische Zustände konzentriert. Dennoch habe ich Margaret gerne durch ihr schwieriges Leben begleitet.