Wenn Trauma zur Kulisse wird
„Schlaf“ von Honor Jones beginnt mit einer Wucht, die kaum auszuhalten ist und verliert sich dann leider genau dort, wo es eigentlich wehtun müsste.
Im Zentrum der Geschichte steht eine Frau, die in ihrer Kindheit sexuelle Übergriffe durch den eigenen Bruder erlebt hat - Berührungen und intime Videoaufnahmen. Dabei wird früh klar, das von Seiten der Eltern keine Hilfe zu erwarten ist. Die Mutter schützt den Sohn und die Tochter bleibt mit ihren Gefühlen allein zurück. Diese familiäre Dynamik ist kein Einzelfall, sondern ein präzises Abbild patriarchaler Strukturen im Kleinen: männliche Täter werden geschützt, während weibliche Opfer funktionieren sollen. Gerade im ersten Teil entfaltet sich hier eine beklemmende Klarheit.
Und dann? Verliert das Buch irgendwie die Nerven.
Statt die aufgeworfenen Konflikte weiter zu vertiefen, verzettelt sich die zweite Hälfte in einer Vielzahl von Nebenschauplätzen, die für mich weder erzählerisch notwendig noch thematisch schlüssig waren. Für mich besonders ärgerlich, weil hier spürbar Potenzial verschenkt wird. Die Geschichte hätte mMn von Fokus profitiert: weniger Nebenstränge, mehr Konsequenz in der Auseinandersetzung mit Trauma, Schuld und familiärer Komplizenschaft.
Stattdessen wirkt das Ende überhastet, fast beiläufig abgehandelt. Für ein Thema, das so tief geht, war mir das zu dünn.
Was den Roman dennoch trägt, ist der Stil. Honor Jones schreibt klar, präzise, mit einem Sog, der einen durch die Seiten zieht, selbst wenn der Inhalt schwächelt.
Für mich bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Die erste Hälfte hat mich wirklich gepackt und auch wütend gemacht. Die zweite Hälfte hat dagegen eher Frustration bei mir ausgelöst. Nicht, weil sie unbequem wäre, sondern weil sie ausweicht.
Fazit: Ein Roman, der ein hochrelevantes Thema mit großer erzählerischer Präzision anreißt und es dann aus der Hand gibt.
Im Zentrum der Geschichte steht eine Frau, die in ihrer Kindheit sexuelle Übergriffe durch den eigenen Bruder erlebt hat - Berührungen und intime Videoaufnahmen. Dabei wird früh klar, das von Seiten der Eltern keine Hilfe zu erwarten ist. Die Mutter schützt den Sohn und die Tochter bleibt mit ihren Gefühlen allein zurück. Diese familiäre Dynamik ist kein Einzelfall, sondern ein präzises Abbild patriarchaler Strukturen im Kleinen: männliche Täter werden geschützt, während weibliche Opfer funktionieren sollen. Gerade im ersten Teil entfaltet sich hier eine beklemmende Klarheit.
Und dann? Verliert das Buch irgendwie die Nerven.
Statt die aufgeworfenen Konflikte weiter zu vertiefen, verzettelt sich die zweite Hälfte in einer Vielzahl von Nebenschauplätzen, die für mich weder erzählerisch notwendig noch thematisch schlüssig waren. Für mich besonders ärgerlich, weil hier spürbar Potenzial verschenkt wird. Die Geschichte hätte mMn von Fokus profitiert: weniger Nebenstränge, mehr Konsequenz in der Auseinandersetzung mit Trauma, Schuld und familiärer Komplizenschaft.
Stattdessen wirkt das Ende überhastet, fast beiläufig abgehandelt. Für ein Thema, das so tief geht, war mir das zu dünn.
Was den Roman dennoch trägt, ist der Stil. Honor Jones schreibt klar, präzise, mit einem Sog, der einen durch die Seiten zieht, selbst wenn der Inhalt schwächelt.
Für mich bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Die erste Hälfte hat mich wirklich gepackt und auch wütend gemacht. Die zweite Hälfte hat dagegen eher Frustration bei mir ausgelöst. Nicht, weil sie unbequem wäre, sondern weil sie ausweicht.
Fazit: Ein Roman, der ein hochrelevantes Thema mit großer erzählerischer Präzision anreißt und es dann aus der Hand gibt.