Wichtiges Thema, eher lahm umgesetzt

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hurmelchen Avatar

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Honor Jones hat in ihrem Debütroman „Schlaf“ ein wichtiges Thema, nämlich Missbrauch in der eigenen Familie, thematisiert, und das Buch fängt auch sehr vielversprechend an, in der zweiten Hälfte dann fällt die Geschichte dann allerdings ab.
Margaret ist zu Beginn des Romans am Anfang der Pubertät, und wird sich ihres Körpers langsam bewusst. Einige Jungs aus der Nachbarschaft und zu allem Unglück auch ihr Bruder fangen an, sich für Mädchenkörper zu interessieren. Margarets Mutter Elizabeth, die eine stark narzisstische Person ist, lassen die Nöte ihrer Tochter kalt, ja, sie bemerkt sie nicht einmal, und Margaret wagt nicht, ihrer Mutter alles zu erzählen. Im zweiten Teil des Romans ist Margaret eine junge, geschiedenen Frau mit zwei kleinen Töchtern. Noch immer plagt sie das schlechte Verhältnis zu ihrer Mutter, und nun bangt sie auch, dass ihren Töchtern bald das widerfahren wird, was sie als Mädchen durchlitten hat.
Soweit, so gut. Die Prämisse der Geschichte ist wichtig, und der Beginn mit den Geschehnissen in Margarets Kindheit, auch sehr gut erzählt. Dann jedoch zieht sich die Story in die Länge, und man weiß nicht mehr, ob es um den Missbrauch in jungen Jahren und dem daraus resultierenden Trauma geht, oder doch um die toxische Mutter/ Tochter- Beziehung. Es wird viel lamentiert und gejammert, was einen die Protagonisten nicht wirklich näher bringt. Immer und immer wieder wird auf den gleichen Tatsachen und Vorkommnissen herumgekaut, bis man des Ganzen irgendwann überdrüssig wird.
Zu unausgegoren ist die Geschichte, zu distanziert die Personen. Ich bin nie wirklich warm geworden mit ihnen.
Eine gute Idee, und ein hehres Anliegen, machen leider noch keinen guten Roman. Solide ist‘s, mehr nicht.