Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

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leavyaxx Avatar

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"Schlaf“ von Honor Jones hat mich durch seinen Titel und die ruhige, fast poetische Gestaltung direkt angesprochen. Der Roman beginnt in Margarets Kindheit und entfaltet sich dann über verschiedene Zeitebenen bis in ihr Erwachsenenleben hinein.
Inhaltlich geht es viel um Familie, insbesondere um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, aber auch um Erfahrungen aus der Kindheit, die lange nachwirken. Themen wie Schweigen, Verdrängung und persönliche Prägung stehen dabei im Mittelpunkt. Besonders die ersten Kapitel waren eindrücklich, die Dynamiken innerhalb der Familie werden spürbar, ohne dass alles direkt ausgesprochen wird. Gerade diese leisen, unterschwelligen Momente sind interessant.
Der Schreibstil ist ruhig, detailliert und bildhaft. Gedanken und Situationen werden ausgeleuchtet. Das sorgt für eine dichte Atmosphäre und macht die Geschichte auf eine gewisse Weise sehr realistisch. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass sich die Handlung etwas verliert. Gerade im späteren Verlauf ziehen sich einige Passagen und es kommen Nebenstränge dazu, die für mich nicht immer ganz greifbar oder notwendig waren.
Margaret selbst ist eine interessante Figur, blieb für mich aber auf Distanz. Obwohl man viel über ihre Gedanken und ihre Vergangenheit erfährt, ist sie nicht ganz greifbar.
Trotzdem finde ich, dass das Buch wichtige Themen anspricht und viele starke Momente hat, vor allem in der Darstellung von familiären Beziehungen und deren langfristigen Auswirkungen, besonders in Bezug auf die Mutter-Tochter-Dnamik. Insgesamt ist „Schlaf“ für mich ein eher leiser, nachdenklicher Roman, der mit einer guten Grundidee und einem schönen Schreibstil überzeugt, in der Umsetzung aber nicht durchgehend sein volles Potenzial ausschöpft.