Sprachgewaltig
Das ist ein außergewöhnlicher Roman, der sich kaum in ein Genre pressen lässt und genau das hat mich fasziniert. Elias Hirschl führt mitten hinein in eine Welt, in der Sprache nicht nur Werkzeug ist, sondern Macht, Krankheit, Schutzschild und Experiment zugleich. Franziska und Otto entwickeln eine Sprachbesessenheit, die gleichzeitig verstörend, brillant und auf ihre Art poetisch ist. Besonders beeindruckt hat mich, wie elegant der Roman reale historische Elemente, mathematische Ansätze und philosophische Sprachfragen mit einer fast spielerischen Erzählweise verbindet. Manchmal musste ich staunen, manchmal schmunzeln und oft habe ich innegehalten, weil ein Gedanke hängen blieb. Dass bei Hirschl das „Unglaubliche“ tatsächlich oft der Wahrheit entspricht, macht das Ganze nur noch reizvoller. „Schleifen“ ist kein Roman, den man einfach wegliest, sondern einer, der sich entfaltet und nachwirkt. Für mich war es eine kluge, ungewöhnliche und mutige Lektüre und ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe.