Die bewegende Geschichte einer Schwarzen Mutter

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brombeere Avatar

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Worum geht es?
Die namenlose Erzählerin bekommt bereits als Kind zu spüren, dass sie anders gesehen wird. Sie fühlt sich nie richtig dazugehörig und lernt dann einen gewalttätigen Mann kennen.

Worum geht es wirklich?
Loyalität, Stärke und Abhängigkeit

Lesenswert?
Ja, eine emotionale Lektüre, die mich nicht kalt gelassen hat. In kurzen, zeitlich sprunghaften Kapiteln lernt man eine namenlose Frau kennen, die über ihre Kindheit berichtet, über das frühe Gefühl von Anderssein und von Ausgrenzung, über ihr eigenes Unverständnis darüber und die Erkenntnis, dass dies an ihrer Hautfarbe zu liegen scheint. Sie fühlt sich selten einer Gruppe zugehörig, ihr Elternhaus ist schwierig und bietet ebenfalls keine Unterstützung. Sie kämpft sich durch die Schule, findet ihre Bestimmung im Sport, aber auch dort treten Schwierigkeiten auf. Schließlich lernt sie einen Mann kennen, der schon bald seine gewalttätige Seite offenbart und mit dem sie zwei Kinder verbindet, sodass sie sich nicht von ihm lösen kann. Sie versucht es auszuhalten, sie versucht zu handeln, sie kann der Situation jedoch nicht entkommen.
Die Protagonistin entwickelt sich von einem quirligen Mädchen zu einer eigentlich starken Frau, die aber in eine Situation gebracht wird, aus der sie sich nicht einfach so befreien kann. Die Geschichte erzählt auch davon, warum sie den Mann nicht einfach verlässt, auch wenn er ihr Leben gefährdet. Sie versucht es ihren Mitmenschen recht zu machen, fühlt sich nie gut genug und wird immer wieder unterdrückt, als wertlos betrachtet und rassistisch behandelt. Sie fühlt sich so schwach und dabei übersteht sie so unglaublich viele Dinge, vor denen man Menschen eigentlich beschützen möchte. Die Handlung ist aufwühlend, auch wütend machend, manchmal traurig. Tatenlos muss man beim Lesen zuschauen, wie sie immer wieder schlecht behandelt wird und nicht selten schwingt die Angst mit, ob am Ende seine Gewalt gewinnen wird und sie daran stirbt.
Die kurzen Kapitel sorgen für einen schnellen Erzählfluss, man fliegt nur so durch die Seiten und versucht die bruchstückhaften Erzählungen zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Manchmal hat mich der Wechsel zwischen den Zeiten verwirrt und ich musste noch einmal nachschauen, in welcher Handlungsebene man sich jetzt befindet. Das war nicht immer direkt ersichtlich.
Die Autorin verwendet an einigen Stellen derbe Sprache, ist sehr direkt. Hat mich gar nicht gestört, fand ich zum Inhalt gut gewählt. Ansonsten ist der Schreibstil weder einzigartig gut, noch schlecht. Er lässt die Handlung im Mittelpunkt stehen. Positiv: Es wird gegendert und das ist so flüssig, dass es gar nicht weiter auffällt. Es gibt zu Beginn eine ausführliche Triggerwarnung, die man besser beachten sollte.
Mir gefällt das Coverbild zwar gut, aber der Hochglanzumschlag wirkt nicht sehr robust und das Cover dadurch schnell nicht mehr so schön. Zudem ist zwar überall vermerkt, dass es sich um einen Roman handelt, aber das Coverbild - welches ja die Autorin selbst zeigt - könnte auch fehlerhaft auf eine Autobiographie hindeuten. Finde ich irgendwie ungünstig gewählt. Generell musste ich mich zB auch bei der Einleitung fragen, wann die Erzählerin zu sprechen beginnt und was die Autorinnenstimme ist.
Dennoch war es im Gesamtpaket eine wirklich gute Lektüre, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ich hoffe, dass man mehr von Jasmina Kuhnke zu lesen bekommen wird!