Zwischen Nähe, Schweigen und Enttäuschung

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kathitintenkleks Avatar

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Das Vorwort verspricht einen Roman über Frauenfreundschaften – ein Versprechen, das für mich leider nicht eingelöst wird. Erzählt wird die Geschichte von Sophie, Lotte und Romy, die sich in der Schulzeit kennenlernen. Was nach einer möglichen Dreierfreundschaft klingt, kippt jedoch schnell: Romy drängt sich zwischen Sophie und Lotte und zerstört damit das fragile Gleichgewicht, noch bevor sich die Freundschaft richtig festigen kann. Dass diese Entwicklungen überwiegend in Rückblenden erzählt werden, macht die Dynamik zwischen den Figuren stellenweise schwer greifbar und emotional distanziert.

Spannung entsteht durch die ständige Andeutung eines Ereignisses, das erklärt, warum Romy den Kontakt zu Sophie (und Lotte) abrupt abbricht. Dieses Schweigen zieht sich durch den gesamten Roman und hinterlässt vor allem bei Sophie eine Leerstelle, die spürbar bleibt – die Auflösung erfolgt jedoch erst ganz am Ende.
Besonders berührt hat mich Sophies Unsicherheit. Als Dorfkind konnte ich ihre Gefühle gut nachvollziehen: das Fremdsein in der Stadt, das ständige Zweifeln am eigenen Auftreten, etwa wenn sie in Köln auf eine Party geht und das Gefühl hat, nicht dazuzugehören. Diese Zerrissenheit zwischen der Geborgenheit des Dorfes und der Sehnsucht nach der Stadt ist für mich eine der stärksten Ebenen des Romans.

Romy hingegen blieb mir emotional verschlossen. Ich empfand sie als egoistisch, stark ichbezogen und wenig empathisch. Ihr plötzlicher Kontaktabbruch wirkte auf mich kalt und rücksichtslos – weniger wie ein notwendiger Schritt als vielmehr wie ein Weglaufen vor Verantwortung. Für Sophie war dieser Bruch schmerzhaft, aber rückblickend vielleicht auch befreiend.

Das Ende konnte mich dennoch nicht überzeugen. Es wirkte auf mich unlogisch und nicht ausreichend durchdacht. Insgesamt vergebe ich daher 3 von 5 Sternen für ein Buch, das mich stellenweise berührt hat, mich als Ganzes jedoch leider nicht erreichen konnte.