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Rezension: „Stalker“ – Arno Strobel
Mit „Stalker“ liefert Arno Strobel einen Psychothriller, der thematisch hochaktuell ist, in der Umsetzung jedoch nicht durchgehend überzeugt. Der Roman greift eines der beunruhigendsten Phänomene der modernen, digitalisierten Gesellschaft auf: die völlige Durchleuchtung eines Menschen durch Daten, Überwachung und soziale Netzwerke. Die Grundidee ist stark, die Ausführung jedoch stellenweise vorhersehbar und dramaturgisch unausgewogen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Protagonist Eric Sanders, dessen Leben scheinbar aus dem Nichts heraus vollständig kontrolliert wird. Jemand kennt seine intimsten Geheimnisse, weiß immer, wo er sich aufhält, und greift gezielt in sein Leben ein. Strobel setzt dabei bewusst auf das Gefühl des totalen Kontrollverlusts – ein Motiv, das er routiniert beherrscht. Die Bedrohung ist nicht physisch greifbar, sondern allgegenwärtig, anonym und technisch vermittelt. Genau hier liegt eine der großen Stärken des Romans: Die Angst entsteht nicht durch Blut oder Gewalt, sondern durch das Wissen, dass man sich dem Täter nicht entziehen kann.
Strobel schreibt gewohnt flüssig und leicht zugänglich. Die Kapitel sind kurz, oft mit Cliffhangern versehen, was das Tempo hochhält und den Roman schnell lesbar macht. Gerade zu Beginn funktioniert das sehr gut. Die Spannung baut sich zügig auf, und der Leser wird direkt in Erics Albtraum hineingezogen. Allerdings zeigt sich relativ früh ein typisches Strobel-Problem: Die Handlung entwickelt sich nach einem bekannten Muster. Wer bereits mehrere Bücher des Autors gelesen hat, erkennt schnell wiederkehrende Strukturen – sowohl im Plotaufbau als auch in der Figurenzeichnung.
Die Charaktere bleiben insgesamt eher oberflächlich. Eric Sanders ist zwar als Opferfigur nachvollziehbar, entwickelt aber kaum Tiefe. Seine Reaktionen wirken oft schematisch: Angst, Panik, Aktionismus. Innere Konflikte oder eine psychologische Weiterentwicklung bleiben weitgehend aus. Nebenfiguren erfüllen primär funktionale Rollen, ohne wirklich eigenständig zu wirken. Das schmälert die emotionale Bindung und sorgt dafür, dass man das Geschehen eher beobachtet als miterlebt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vorhersehbarkeit. Obwohl Strobel einige falsche Fährten legt, lässt sich der Kern der Auflösung relativ früh erahnen. Die Enthüllung am Ende wirkt dadurch weniger schockierend, als sie vermutlich gedacht ist. Zudem greift der Autor auf erklärende Passagen zurück, in denen Zusammenhänge sehr deutlich – teilweise zu deutlich – ausformuliert werden. Das nimmt dem Leser die Möglichkeit, selbst Schlüsse zu ziehen, und mindert die Wirkung des Finales.
Thematisch überzeugt „Stalker“ dennoch. Der Roman hält der digitalen Gesellschaft einen Spiegel vor: Wie viel geben wir preis? Wie leicht lassen sich Menschen manipulieren, wenn persönliche Daten erst einmal gesammelt sind? Strobel zeigt auf, wie aus scheinbar harmlosen Informationen eine zerstörerische Macht entstehen kann. Diese gesellschaftskritische Ebene ist klar erkennbar und verleiht dem Thriller eine relevante Grundbotschaft.
Stilistisch bleibt Strobel seinem bekannten Ton treu: schnörkellos, direkt, wenig experimentell. Das ist zugänglich, aber auch wenig herausfordernd. Leser, die komplexe psychologische Tiefe oder sprachliche Raffinesse erwarten, werden hier nicht fündig. Wer hingegen einen spannenden, schnell konsumierbaren Thriller sucht, wird solide unterhalten.
Fazit: „Stalker“ ist ein routiniert geschriebener Psychothriller mit einer starken Grundidee und aktuellem Thema, leidet jedoch unter flachen Figuren, bekannten Mustern und einer vorhersehbaren Auflösung. Kein Ausreißer nach oben im Strobel-Kosmos, aber auch kein Totalausfall. Für Fans des Autors empfehlenswert, für Neueinsteiger solide, für Viel-Thrillerleser eher durchschnittlich.
Mit „Stalker“ liefert Arno Strobel einen Psychothriller, der thematisch hochaktuell ist, in der Umsetzung jedoch nicht durchgehend überzeugt. Der Roman greift eines der beunruhigendsten Phänomene der modernen, digitalisierten Gesellschaft auf: die völlige Durchleuchtung eines Menschen durch Daten, Überwachung und soziale Netzwerke. Die Grundidee ist stark, die Ausführung jedoch stellenweise vorhersehbar und dramaturgisch unausgewogen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Protagonist Eric Sanders, dessen Leben scheinbar aus dem Nichts heraus vollständig kontrolliert wird. Jemand kennt seine intimsten Geheimnisse, weiß immer, wo er sich aufhält, und greift gezielt in sein Leben ein. Strobel setzt dabei bewusst auf das Gefühl des totalen Kontrollverlusts – ein Motiv, das er routiniert beherrscht. Die Bedrohung ist nicht physisch greifbar, sondern allgegenwärtig, anonym und technisch vermittelt. Genau hier liegt eine der großen Stärken des Romans: Die Angst entsteht nicht durch Blut oder Gewalt, sondern durch das Wissen, dass man sich dem Täter nicht entziehen kann.
Strobel schreibt gewohnt flüssig und leicht zugänglich. Die Kapitel sind kurz, oft mit Cliffhangern versehen, was das Tempo hochhält und den Roman schnell lesbar macht. Gerade zu Beginn funktioniert das sehr gut. Die Spannung baut sich zügig auf, und der Leser wird direkt in Erics Albtraum hineingezogen. Allerdings zeigt sich relativ früh ein typisches Strobel-Problem: Die Handlung entwickelt sich nach einem bekannten Muster. Wer bereits mehrere Bücher des Autors gelesen hat, erkennt schnell wiederkehrende Strukturen – sowohl im Plotaufbau als auch in der Figurenzeichnung.
Die Charaktere bleiben insgesamt eher oberflächlich. Eric Sanders ist zwar als Opferfigur nachvollziehbar, entwickelt aber kaum Tiefe. Seine Reaktionen wirken oft schematisch: Angst, Panik, Aktionismus. Innere Konflikte oder eine psychologische Weiterentwicklung bleiben weitgehend aus. Nebenfiguren erfüllen primär funktionale Rollen, ohne wirklich eigenständig zu wirken. Das schmälert die emotionale Bindung und sorgt dafür, dass man das Geschehen eher beobachtet als miterlebt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vorhersehbarkeit. Obwohl Strobel einige falsche Fährten legt, lässt sich der Kern der Auflösung relativ früh erahnen. Die Enthüllung am Ende wirkt dadurch weniger schockierend, als sie vermutlich gedacht ist. Zudem greift der Autor auf erklärende Passagen zurück, in denen Zusammenhänge sehr deutlich – teilweise zu deutlich – ausformuliert werden. Das nimmt dem Leser die Möglichkeit, selbst Schlüsse zu ziehen, und mindert die Wirkung des Finales.
Thematisch überzeugt „Stalker“ dennoch. Der Roman hält der digitalen Gesellschaft einen Spiegel vor: Wie viel geben wir preis? Wie leicht lassen sich Menschen manipulieren, wenn persönliche Daten erst einmal gesammelt sind? Strobel zeigt auf, wie aus scheinbar harmlosen Informationen eine zerstörerische Macht entstehen kann. Diese gesellschaftskritische Ebene ist klar erkennbar und verleiht dem Thriller eine relevante Grundbotschaft.
Stilistisch bleibt Strobel seinem bekannten Ton treu: schnörkellos, direkt, wenig experimentell. Das ist zugänglich, aber auch wenig herausfordernd. Leser, die komplexe psychologische Tiefe oder sprachliche Raffinesse erwarten, werden hier nicht fündig. Wer hingegen einen spannenden, schnell konsumierbaren Thriller sucht, wird solide unterhalten.
Fazit: „Stalker“ ist ein routiniert geschriebener Psychothriller mit einer starken Grundidee und aktuellem Thema, leidet jedoch unter flachen Figuren, bekannten Mustern und einer vorhersehbaren Auflösung. Kein Ausreißer nach oben im Strobel-Kosmos, aber auch kein Totalausfall. Für Fans des Autors empfehlenswert, für Neueinsteiger solide, für Viel-Thrillerleser eher durchschnittlich.