Emotionale Distanz

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coni90 Avatar

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Der Auftakt von "Strange Familiars" von Keshe Chow bot eine spannende Grundidee: Magische Tiermedizin, rivalisierende Studierende und mysteriöse, gefährliche Entladungen. Die Handlung rund um Harrisford und Gwendolynne, die am Seamere College studieren und gezwungen sind, zusammenzuarbeiten, um die Ursache für die magischen Entladungen zu finden, hatte definitiv Potenzial. Doch leider wurde dies nicht ganz so umgesetzt, wie ich erhofft hatte.

Denn ich hatte große Schwierigkeiten, emotional wirklich in die Geschichte einzutauchen. Obwohl das Buch aus wechselnden Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählt wird, blieb eine echte Verbindung zu Harrisford und Gwendolynne für mich aus. Ich konnte nicht richtig mitfühlen, was dazu führte, dass mich die Handlung insgesamt weniger gefesselt hat, als ich es mir gewünscht hätte.

Die Dynamik zwischen Harrisford und Gwendolynne wurde als Enemies-to-Lovers angelegt, und gerade der „Enemies“-Teil kam auch gut zur Geltung. Die Entwicklung hin zur romantischen Ebene hingegen konnte mich weniger überzeugen. Dafür fehlte mir spürbare emotionale Nähe und vor allem Kommunikation zwischen den beiden. Hier wäre in meinen Augen deutlich mehr möglich gewesen.

Ein Kritikpunkt, der für mich dabei besonders herausstach, war eine Szene gegen Ende: Gwendolynne trifft eine Entscheidung, die zwar riskant für sie ist, aber dennoch ihre eigene. Dass Harrisford sich darüber hinwegsetzte und eigenmächtig eingriff, wirkte auf mich problematisch und hat mich aus der Geschichte gerissen. Solche Momente nehmen der weiblichen Figur ihre Handlungsmacht – und das fühlte sich für mich unnötig und frustrierend an!

Auch die titelgebenden „Familiars“, insbesondere der Kater Percy, kamen mir insgesamt zu kurz. Gerade hier hätte ich mir mehr Beschreibungen, mehr Interaktion und mehr emotionale Bindung gewünscht. Das gleiche gilt für die Nachwirkungen der tiermedizinischen Fälle, die oft nur angerissen wurden.

Dennoch gab es positive Aspekte, wie, dass die Geschichte sich nicht ausschließlich auf die Romance konzentrierte, sondern die Haupthandlung klar im Fokus blieb. Auch der tiermedizinische Aspekt wirkte auf mich gut recherchiert und überzeugend umgesetzt, was dem Setting eine glaubwürdige Tiefe verlieh. Auch einige der fantasievollen Tierwesen und Szenen konnten mich durchaus begeistern.

Insgesamt hatte das Buch einen gewissen Unterhaltungswert für mich. Es las sich angenehm, und der Cliffhanger am Ende sorgt dafür, dass ich durchaus neugierig bin, wie es weitergeht. Ich werde den zweiten Teil wahrscheinlich lesen oder hören – in der Hoffnung, dass dort mehr emotionale Tiefe und eine stärkere Charakterentwicklung geboten werden!