Fast überzeugende Magie

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jessica.leu Avatar

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Der Auftakt der Seamere College Reihe „Strange Familiars“ von Keshe Chow löst sehr ambivalente Empfindungen in mir aus.

Das Cover und der Farbschnitt des Paperbacks sind wahnsinnig schön, die beiden Hauptfiguren und deren Seelentiere auf dem Titel erinnern mich in der Darstellung ein wenig an „Die Schöne und das Biest“. Das Muster des Efeus findet sich im Buch wieder, die Gestaltung ist sehr ansprechend.

Die Kurzbeschreibung hat mich erstmal gar nicht gepackt, jedoch konnte ich von der Leseprobe mit den ersten vier Kapiteln kaum die Augen lassen. Der Anfang des Buches war überzeugend, es kam gleich Spannung auf und das Hauptthema der Magieexplosionen wurde direkt aufgegriffen. Die kribbelnde Anziehung zwischen den beiden konkurrierenden Hauptcharaktere Gwendolynne und Harrisford war spürbar und hier noch spannend.
Die Erzählperspektive wechselt immer mal wieder zwischen den beiden Figuren.

Leider war es im weiteren Verlauf dann ein Auf und Ab. Es entsteht in kürzester Zeit sowas wie eine Freundschaft zwischen Gwendolynne und Harrisford, die aber immer wieder von Überheblichkeit und kindischem Verhalten gestört wird. Gleichzeitig zerdenken die beiden jede ihrer Handlungen, werfen sich gegenseitig Manipulation vor und trotzdem spricht Er schnell von Liebe. Ich bin da nicht ganz mitgekommen. Für mich hätte es auch die spicy Szenen nicht geben müssen, ich habe es leider nicht wirklich nachfühlen können.
Spannung kam immer wieder nur kurzfristig auf und wurde für meinen Geschmack nicht genug aufrecht erhalten. Die Story wurde irgendwann sehr vorhersehbar. Gut gefallen hat mir die Diversität der Nebenfiguren und das auch unangenehme gesellschaftliche Themen angesprochen werden.

Der Schreibstil ist in Ordnung, ich hatte im Großen und Ganzen keine Probleme im Lesefluss. Manche Stellen waren unlogisch, aber darüber konnte man hinweglesen. Es gab auch einige Längen durch ständige Wiederholungen. Jedoch fand ich die Übersetzung teilweise schwierig und ungenau, aber ich kann hier nur mutmaßen da ich das Original nicht kenne.
Auch kenne ich keine weiteren Werke der Autorin und kann das Buch nicht vergleichen.

Grundsätzlich finde ich die Themen des Buches toll, das Uni-Setting in London, eine magische Welt parallel zur Realität, die Idee der Seelentiere. Wer würde nicht gerne mit seinem geliebten Haustier sprechen können? Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Harry Potter und Die Schule der magischen Tiere mit erwachsenen Protagonisten. Insgesamt hat mir das Buch aber nur mäßig gefallen und letztlich konnte es für mich nicht genug Spannung aufbringen um mich auf den nächsten Teil neugierig zu machen.