Inspirierende Geschichte mit kleinen Schwächen

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marci9615 Avatar

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Sylt und Sehnsucht erzählt die Geschichte von Steffi, die ihr Leben lange in sicheren Bahnen verbracht hat und ihre Komfortzone kaum verlassen hat. Genau deshalb wirkt ihr Alltag festgefahren und wenig aufregend – ein Gedanke, den der Roman nachvollziehbar vermittelt.

Besonders gelungen fand ich, wie nachvollziehbar Steffis Nervosität vor dem Klassentreffen beschrieben wird. Wahrscheinlich kann sich fast jeder in diese unangenehme Mischung aus Neugier, Unsicherheit und Erwartungsdruck hineinversetzen.

Dort lernt sie den jüngeren Bruder einer Freundin kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Diese Entwicklung wirkte auf mich allerdings stellenweise etwas konstruiert. Obwohl der Altersunterschied zu mir (38 Jahre) gar nicht so groß ist, wird der Bruder sprachlich und vom Verhalten her eher wie ein typischer Mittzwanziger dargestellt, was nicht immer glaubwürdig wirkte. Auch die bewusst „jugendliche“ Sprache erschien mir teilweise überzogen und eher bemüht modern.

Trotzdem mochte ich die Entwicklung von Steffi. Besonders schön fand ich, dass sie zunehmend erkennt, dass sie mit ihrem bisherigen Leben nicht mehr wirklich glücklich ist, und beginnt, aktiv etwas daran zu verändern.

Insgesamt ist Sylt und Sehnsucht ein Roman über Neuanfänge, Selbstfindung und den Mut, eingefahrene Wege zu verlassen – auch wenn nicht alle Figuren und Dialoge auf mich vollkommen authentisch gewirkt haben.