Geschichte aus einer ganz persönlichen Perspektive

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Mit „Territorium“ gelingt Sabrina Janesch für mich ein sehr interessanter Einblick in einen Teil der hawaiianischen Geschichte, der mir bisher kaum bekannt war. Im Mittelpunkt steht das Aufbegehren der hawaiianischen Bevölkerung gegen die Annexion Hawaiis durch die USA. Besonders spannend fand ich dabei, wie vielschichtig die historischen Ereignisse dargestellt werden und welche überraschenden Verbindungen es auch nach Deutschland gibt.

Erzählt wird aus der Perspektive verschiedener Personen, wobei mir besonders die überwiegend weiblichen Perspektiven gefallen haben. Dadurch bekommt die Geschichte eine sehr persönliche und menschliche Ebene. Während historische Ereignisse in Sachbüchern oder umfangreichen historischen Romanen schnell distanziert wirken können, werden hier die persönlichen Beweggründe und inneren Konflikte der Figuren deutlich. Besonders gelungen fand ich die Darstellung des Spannungsfeldes zwischen dem Gefühl, für das eigene Land kämpfen zu müssen, und der Überzeugung, grundsätzlich Pazifist zu sein. Dadurch wird der Konflikt nicht einfach in Gut und Böse aufgeteilt, sondern aus unterschiedlichen Perspektiven nachvollziehbar.

Einige Jahre zuvor hatte ich „Hawaii“ von James A. Michener gelesen, das die Geschichte Hawaiis wesentlich umfangreicher erzählt, auf mich aber auch deutlich trockener wirkte. „Territorium“ konnte mir die historischen Zusammenhänge deshalb auf eine ganz andere Weise näherbringen. Sabrina Janesch verleiht den Ereignissen eine menschliche Seite und macht dadurch verständlich, was die politischen Veränderungen für die einzelnen Menschen bedeutet haben.

Allerdings fiel mir das Lesen stellenweise etwas schwer. Einige Passagen wirkten auf mich etwas stockend, sodass die Geschichte nicht immer den gewünschten Lesefluss entwickelt hat. Trotzdem fand ich die historischen Einblicke und die unterschiedlichen Perspektiven sehr lohnenswert.

Insgesamt ist „Territorium“ für mich ein lesenswerter historischer Roman, der einen interessanten und eher unbekannten Teil der Geschichte Hawaiis beleuchtet. Wer sich für historische Zusammenhänge, unterschiedliche Perspektiven und die menschliche Seite politischer Konflikte interessiert, dem kann ich das Buch empfehlen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.