Zwischen höfischer Intrige und unerwartetem Mitgefühl

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suriamara Avatar

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Bei ,,The Remarried Empress" hatte ich ehrlich gesagt erwartet, dass ich eindeutig auf der Seite von Navier stehen und Rashta als Gegenspielerin eher unsympathisch finden würde. Schließlich ist Navier die Protagonistin und vieles ist zunächst so erzählt, dass man mit ihr mitfiebert. Tatsächlich mochte ich sie auch, aber beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich die Figuren und ihre Entscheidungen nicht ganz so eindeutig beurteilen konnte, wie ich anfangs gedacht hatte.

Das Cover gefällt mir sehr gut und passt mit seiner Gestaltung wunderbar zur Geschichte. Es vermittelt direkt diesen eleganten, leicht märchenhaften Eindruck, hinter dem sich allerdings eine Welt voller Machtspiele, gesellschaftlicher Erwartungen und persönlicher Konflikte verbirgt.

Besonders gefallen hat mir, dass es nicht nur um Liebe und Beziehungen geht, sondern auch um die Stellung der Figuren am Hof und darum, wie unterschiedlich Menschen innerhalb dieser Gesellschaft behandelt werden. Der Schreibstil lässt sich angenehm lesen und ich bin gut durch die Geschichte gekommen. Die Mischung aus dramatischen Momenten, Intrigen und humorvollen Szenen hat mir ebenfalls gefallen. Vor allem die Begegnungen zwischen Navier und Heinrey fand ich unterhaltsam. Gerade die kleinen Neckereien und die Situationen rund um Queen haben mich mehr als einmal schmunzeln lassen. Diese Momente lockern die Geschichte auf, ohne dass die ernsteren Themen völlig in den Hintergrund geraten.

Am meisten überrascht hat mich allerdings meine eigene Reaktion auf Rashta. Ich weiß, dass sie im Gegensatz zu Navier als Gegenspielerin wahrgenommen wird, aber ich konnte sie nicht einfach unsympathisch finden. Ihre Situation und ihre Sichtweise waren für mich durchaus nachvollziehbar und stellenweise tat sie mir sogar leid. Ihre weinerliche Art war zwar nicht unbedingt mein Fall, aber ich fand es interessant, dass ich trotzdem Verständnis für sie aufbringen konnte. Gerade weil ich bei solchen Geschichten normalerweise ziemlich schnell auf der Seite der Protagonistin bin, hat mich das überrascht.

Auch Navier sehe ich nicht als fehlerfrei an. Ich bewundere ihre Selbstbeherrschung, ihre Intelligenz und ihre Fähigkeit, sich in einer schwierigen Umgebung zu behaupten. Gleichzeitig gibt es Entscheidungen und Einstellungen von ihr, die ich kritisch sehe. Besonders ihre Reaktion auf Rashtas Schwangerschaft fand ich interessant. Ich kann verstehen, dass Navier angesichts ihrer eigenen Situation keine Freude darüber empfindet und sich nicht dazu zwingen möchte, so zu tun, als würde sie sich für den Kaiser freuen. Trotzdem hat mich der Gedanke beschäftigt, wie dieses ungeborene Kind später behandelt werden könnte. Es kann schließlich nichts für die Entscheidungen seiner Eltern. Ähnlich ging es mir mit dem Thema Sklaverei: Dass Navier wohltätige Zwecke unterstützt, während sie ein System akzeptiert, in dem andere Menschen unfrei sind, fand ich widersprüchlich. Natürlich muss eine Figur nicht perfekt sein, aber gerade solche Widersprüche machen sie für mich interessant und geben Anlass, über ihre Moralvorstellungen nachzudenken.

Auch der kurze Ausblick am Ende auf Navier älteren Bruder Kosair hat mich neugierig gemacht. Obwohl er bisher nur erwähnt wurde und ich mir noch kein richtiges Bild von ihm machen konnte, habe ich irgendwie das Gefühl, dass er mir gefallen könnte. Allein die Ankündigung seiner Rückkehr hat mein Interesse geweckt und ich bin gespannt, welche Rolle er in der Geschichte spielen wird. Vielleicht entwickelt er sich ja sogar zu einem meiner Lieblingscharaktere. Das muss sich allerdings erst noch zeigen.

Insgesamt hat mich ,,The Remarried Empress'' mit seinen Intrigen, den unterschiedlichen Charakteren und den humorvollen Augenblicken gut unterhalten. Besonders schätze ich, dass ich nicht jede Figur uneingeschränkt mögen oder ablehnen musste, sondern mir meine eigene Meinung bilden konnte.

Ich würde das Buch allen empfehlen, die Geschichten über höfische Machtkämpfe, komplizierte Beziehungen und Figuren mögen, über deren Verhalten man auch nach dem Lesen noch nachdenken kann. Wer eine vollkommen eindeutige Einteilung in Gut und Böse erwartet, könnte dagegen überrascht werden. Für mich lebt die Geschichte gerade davon, dass hinter den ersten Eindrücken mehr steckt, als man zunächst vermutet.