Im Bann der Vampiere

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evelyn1972 Avatar

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The Witch in the Dead of Night gehört für mich zu den Büchern, bei denen ich ständig zwischen Begeisterung und Frustration geschwankt habe. Einerseits steckt unglaublich viel Potenzial in dieser Geschichte, andererseits gab es einige Punkte, die mich immer wieder aus der Handlung herausgerissen haben.

Die größte Stärke des Buches liegt für mich ganz klar in seiner Grundidee. Die Kombination aus Hexen und Vampiren funktioniert hervorragend und wird zusätzlich durch politische Intrigen, Machtspiele und eine geheimnisvolle Mordserie ergänzt. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass die Geschichte deutlich mehr sein möchte als eine klassische Romantasy. Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen und nach und nach kleine Hinweise gestreut, sodass man ständig versucht herauszufinden, wem man überhaupt noch vertrauen kann. Einige der späteren Enthüllungen konnte ich wirklich nicht vorhersehen und genau solche Überraschungen liebe ich beim Lesen.

Allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass der Fokus der Geschichte zwischendurch verloren geht. Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit Finns Ausbildung und ihrem Training als Hexe. Grundsätzlich fand ich diesen Teil interessant, allerdings zog sich dieser Abschnitt für meinen Geschmack deutlich zu lange. Gleichzeitig wurden andere Entwicklungen, die ich viel spannender gefunden hätte, relativ schnell abgehandelt. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse fast, sodass manche Enthüllungen nicht die Wirkung entfalten konnten, die sie eigentlich verdient hätten.

Finn ist eine sympathische Hauptfigur. Besonders gefallen hat mir, dass sie keine perfekte Heldin ist. Sie macht Fehler, zweifelt an sich selbst und muss ihre Fähigkeiten erst nach und nach entdecken. Gleichzeitig ist sie fleißig, neugierig und bereit, für ihre Ziele zu arbeiten. Genau deshalb fiel es mir allerdings schwer nachzuvollziehen, wie schnell sie König Mordric vertraut. Nach allem, was sie erlebt hat, hätte ich mit deutlich mehr Misstrauen gerechnet.

Mordric blieb für mich leider bis zum Schluss der schwächste Charakter. Er wirkte fast zu perfekt und gleichzeitig sehr berechenbar. Dadurch konnte ich seine Beziehung zu Finn nie wirklich ernst nehmen. Ihre Gefühle entwickeln sich meiner Meinung nach viel zu schnell, wodurch die emotionale Verbindung für mich kaum greifbar war.

Ganz anders sieht es bei Prinz Enhart aus. Er war mit Abstand meine Lieblingsfigur. Seine distanzierte, manchmal sogar kalte Art macht ihn von Anfang an interessant. Man merkt schnell, dass hinter seinem Verhalten mehr steckt und genau dieses Geheimnis sorgt dafür, dass man immer weiterlesen möchte. Besonders seine Entwicklung im Laufe der Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. Er verändert sich, ohne dabei seinen eigentlichen Charakter zu verlieren. Seine Beziehung zu Finn entwickelt sich langsam und genau deshalb wirkte sie für mich deutlich glaubwürdiger als alles, was zwischen Finn und Mordric passiert.

Auch der Spannungsbogen hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst. Die Geschichte beginnt interessant und endet ebenfalls stark. Dazwischen gibt es jedoch einige Längen, in denen sich die Handlung etwas im Kreis dreht. Sobald die politischen Intrigen und die Geheimnisse rund um Finns Herkunft sowie die Mordserie stärker in den Mittelpunkt rücken, wird das Buch deutlich spannender. Gerade das letzte Viertel konnte mich dann noch einmal richtig fesseln.

Besonders positiv hervorheben möchte ich das World Building. Die Welt wirkt stimmig und atmosphärisch, ohne unnötig kompliziert zu werden. Die Autorin erklärt genau so viel, dass man sich alles gut vorstellen kann, ohne mit Informationen überfordert zu werden. Für mich war das genau die richtige Balance zwischen Fantasy und Lesefluss.

Auch der Schreibstil konnte mich überzeugen. Die Kapitel lassen sich sehr flüssig lesen und ich bin trotz meiner Kritikpunkte schnell durch das Buch gekommen. Dennoch hätte ich mir zusätzliche Perspektiven gewünscht. Gerade Enhart hätte aus seiner Sicht sicherlich noch einmal ganz andere Einblicke in die Geschichte ermöglicht und die Beziehungen der Figuren emotional vertieft.

Mein Fazit fällt deshalb etwas gemischt aus. Das Buch besitzt viele starke Ideen, ein gelungenes World Building und einige wirklich spannende Wendungen. Vor allem Enhart und die Geheimnisse rund um die Welt haben mir sehr gefallen. Gleichzeitig konnten mich das Liebesdreieck, die Beziehung zu Mordric und das teilweise unausgewogene Erzähltempo leider nicht vollständig überzeugen. Trotzdem sehe ich in der Reihe großes Potenzial und bin gespannt, wie sich die Geschichte in den nächsten Bänden weiterentwickeln wird.