Zwischen Hexenmagie und höfischen Intrigen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bücherdrache Avatar

Von

Eine Hexe, die ihre Magie erst entdecken muss, ein Prinz, der mehr verbirgt, als er zeigt, und ein Hof, an dem Vertrauen schnell zur Gefahr werden kann. Diese Ausgangslage hat mich sofort neugierig gemacht.

Bei Romantasy mit Vampiren und Hexen habe ich inzwischen eine gewisse Zurückhaltung entwickelt, weil viele Geschichten vertraute Muster nur neu verpacken. Umso erfreulicher war es, dass mich The Witch in the Dead of Night trotz bekannter Zutaten bis zum Ende bei der Stange gehalten hat.

Was mir besonders gefallen hat, war die Atmosphäre am Hof von Valen. Hinter höfischen Umgangsformen, Machtversprechen und scheinbarer Sicherheit liegt ständig das Gefühl, dass jede Figur eigene Absichten verfolgt. Die Mordserie und die politischen Spannungen sorgen dafür, dass die Handlung nie ausschließlich von der Romantik getragen wird, sondern immer noch eine zweite Ebene besitzt.

Finn mochte ich als Hauptfigur sehr. Sie ist weder unfehlbar noch eine Heldin, die jede Herausforderung mühelos meistert. Ihre Entwicklung entsteht Schritt für Schritt, während sie ihre Magie besser kennenlernt und ihren Platz in einer Welt sucht, die Hexen eigentlich keinen Platz zugesteht. Besonders die gemeinsamen Szenen mit Enhart haben für mich den Roman getragen. Zwischen den beiden entsteht eine Dynamik, die weit mehr über Blicke, Gespräche und gegenseitige Herausforderungen funktioniert als über große Gesten.

Das Worldbuilding bleibt bewusst überschaubar und erklärt seine Regeln nach und nach. Gleichzeitig hatte ich mehrfach das Gefühl, dass in Valen noch deutlich mehr Geschichte steckt, als dieser erste Band preisgibt. Über die Hexen, Vampire und ihre gemeinsame Vergangenheit hätte ich gern noch mehr erfahren.

Einige Entwicklungen lassen sich früh erahnen und die erste Hälfte nimmt sich Zeit für Finns Ausbildung. Mich hat weniger beschäftigt, was als Nächstes geschieht, sondern wie sich die Beziehungen und Machtverhältnisse nach und nach verschieben. Das Finale verschiebt schließlich vieles, was zuvor sicher schien, und hat mich mit echter Neugier auf den nächsten Band zurückgelassen.