Subtile Spannung am Genfer See

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kurzundbuch Avatar

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The Woman in Suite 11 hat mich sofort in ihren Bann gezogen, obwohl ich den ersten Teil der Reihe nicht kenne. LO Blacklock kehrt in ihr Berufsleben zurück und wird schnell in ein Netz aus Geheimnissen und unterschwelliger Bedrohung gezogen, das sich organisch entwickelt und niemals übertrieben wirkt. Die Gefahr wirkt greifbar, das Unbehagen wächst subtil, fast wie ein guter Schüler, der Schritt für Schritt die Unsicherheiten seiner Umgebung wahrnimmt.
Die Atmosphäre im luxuriösen Hotel am Genfer See ist eindrucksvoll eingefangen. Jede Szene trägt zur Spannung bei, ohne dass die Geschichte konstruiert oder künstlich dramatisiert wirkt. Rückblicke auf alte Bekannte und frühere Ereignisse verleihen dem Thriller Tiefe und machen neugierig auf den ersten Band, ohne dass man ihn zwingend gelesen haben muss. Diese Verbindung schafft Kontinuität, wirkt aber niemals aufgesetzt.
LO Blacklock ist glaubwürdig und menschlich. Ihre Entscheidungen wirken nachvollziehbar, ihre moralischen Abwägungen und der innere Druck spiegeln realistisch wider, wie jemand in einer zunehmend verzwickten Lage reagiert. Dass sich am Ende manches vorhersehbar löst, stört den Lesefluss kaum; die Autorin schafft es, den Spannungsbogen bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten.
Für mich ist The Woman in Suite 11 ein Pageturner, der Spannung, Atmosphäre und Charakterentwicklung in einer ausgewogenen Balance verbindet. Elegant erzählt, subtil unheimlich und stets nachvollziehbar, ist dies ein Thriller, der unterhält und nachhallt.