Ein toxisches Beziehungsdrama

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schlingpflanze Avatar

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Das Buch “Ultramarin” von Ann-Christin Kumm handelt von Beziehungen, die manipulierenden Charakter haben, totale Abhängigkeiten schaffen und zerstörerisch sind.
Im Fokus des Romans stehen Lou und Raf.
Lou ist ein eher unsicherer, mit sich hardernder Junge, der allein mit seiner Mutter in einer beengten Hamburger Wohnung lebt. Er verabscheut das Verhalten seiner Mutter, die ohne Authentizität ist und anstatt mal mit Lou über die wirklichen Probleme zu sprechen, ständig die kleine Wohnung von allem Makel befreit, indem sie unaufhörlich putzt.
Er verabscheut die Stadt, sein Leben und sich selbst.
Sein Selbstwertgefühl ist quasi bei null und hängt sehr von seinem Umfeld ab.

Raf hingegen lebt mit seiner Schwester und deren gemeinsamen Vater, der Arzt und verwitwet ist, finanziell im Übermaß, doch sind sich die Geschwister seit dem Tod der Mutter mehr oder weniger selbst überlassen.
Auch Raf blickt auf seinen Vater mit Abscheu und kritisiert ihn scharf für die Unfähigkeit für seine Kinder da zu sein, als die Mutter starb.

Eines Tages sitzt Raf neben Lou, dem Neuzugang, in der Schule.
Mit dem Beginn übt Raf auf Lou eine enorme Anziehungskraft aus, dessen er sich auch bewusst ist und die er geschickt einsetzt.
Er nutzt diesen Einfluss, um Lou an sich zu binden, ihn mit diversen Spielchen regelrecht zu kränken und psychisch zu quälen.
Lou wird nur noch anhänglicher und alles in seinem Kopf und Leben dreht sich ausschließlich um Raf, die permanente Frage, ob er ihn liebt und dessen Zuneigung.
Eine Beziehung entsteht, die toxischer kaum sein kann und mit psychisch ausgeklügelten Methoden Abhängigkeiten schafft.

Als sich bei einem der vielen Urlaube Nora anstelle der Schwester Sophie zu dem Duo als Reisebegleiterin dazugesellt und stärkeres Interesse für Lou signalisiert, eskaliert die Situation mit tragischem Verlauf.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Autorin hat sehr spannend anhand von zwischenmenschlichen Beziehungen aufgezeigt, wie manipulierend Menschen andere Menschen in Abhängigkeiten bringen können und wie schwer es scheint, sich aus diesen Verstrickungen zu lösen.
Sehr lesenswert.