Gute Idee, die nicht komplett überzeugen kann

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
feliz Avatar

Von

Ich mag die Gestaltung des Buches recht gerne. Die dunklen Blautöne sehen einfach toll aus und mir gefällt, dass man erst beim genaueren Betrachten erkennt, dass das Cover eine Hausfassade und die Straße davor darstellt, was perfekt zur Geschichte passt.

Die Story fand ich ebenfalls außerordentlich reizvoll: Das Ehepaar Bryden und Sam haben alles, was sie sich wünschen können: eine tolle Wohnung, erfolgreiche Karrieren und eine glückliche Familie mit einer niedlichen Tochter. Doch bekommt Sam einen Anruf, dass Bryden ihre Tochter Clara nicht aus dem Kindergarten abgeholt hat und er macht sich sofort auf den Weg. Zuhause angekommen scheint alles in bester Ordnung, Brydens Computer steht auf dem Tisch, ihre Schlüssel liegen in der Wohnung, doch von ihr selbst fehlt jede Spur. Es beginnt eine Suche, die mehr aufdeckt als den Grund für das Verschwinden einer Mutter und Ehefrau.

Ich habe mich, nachdem das Wetter so langsam ein bisschen Richtung Herbst ging, mich richtig gefreut, mal wieder einen spannenden Krimi/Thriller lesen zu können, doch dieser konnte mich nicht so richtig überzeugen. Das liegt allerdings nicht direkt an dem Schreibstil. Dieser ist wirklich gut und hat mich nahezu ab der ersten Seite in die Geschichte gezogen und war auch der hauptsächliche Grund, warum ich die Geschichte so schnell durchlesen konnte. Allerdings fand ich es super irritierend, dass die Perspektive der Charaktere wirklich häufig wechselt, zum Teil mehrmals innerhalb eines Kapitels. Dies ist zwar immer ziemlich klar gekennzeichnet, hat mich aber oft dennoch irritiert. Zumal es für mich einfach zu viele Perspektiven waren, die mir persönlich oft zu viel über Hintergründe verraten haben, die noch nicht allen bekannt waren. Dadurch konnte man nicht zusammen mit der Polizei ermitteln, sondern hatte immer ein paar mehr Informationen, während die Polizistin noch in eine falsche Richtung ermittelte.

Durch diese häufigen Perspektivwechsel hatte ich auch ein bisschen Probleme damit, die Charaktere richtig kennenzulernen. Immer wenn ich dachte, dass ich jetzt eine Beziehung zu einem der Charaktere aufgebaut hätte, ist wieder alles Mögliche passiert und ich war mir nicht sicher, ob ich ihr wirklich trauen konnte. Das trägt natürlich zu der Spannung bei, aber sorgt auch dafür, dass mir ein bisschen der Fixpunkt der Geschichte fehlt. Ich hatte keinen Charakter, den ich so richtig mochte oder den ich zumindest so spannend fand, dass ich seine oder ihre Geschichte unbedingt lesen wollte. Am Anfang ist mir das noch gar nicht so aufgefallen, weil das Erzähltempo so hoch war, dass ich einfach weitergelesen habe, aber nach und nach hat sich dieses Muster dann wiederholt und ich fand es ebenso wie die Geschichte als solche fast ein bisschen sehr vorhersehbar und langweilig. Das bedeutet nicht, dass ich nicht wissen wollte, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag, aber es hat mich ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr so sehr gefesselt. Dafür gab es für mich zu viele Wendungen, die kaum Zeit ließen, zu verarbeiten, was passiert, bevor es wieder eine andere Entwicklung gab.

Alles in allem mochte ich den Schreibstil von Shari Lapena wirklich gerne, weil er dafür sorgt, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Allerdings konnte mich die Story, vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, nicht wirklich überzeugend, dafür passierte einfach zu viele Charaktere und zu viele Storylines, die sich zu schnell abwechseln und nicht den Raum ließen, um sich komplett zu entwickeln. Ich würde aber definitiv noch ein weiteres Buch der Autorin lesen wollen, weil die Idee des Buches und ihre Art zu schreiben mich trotz aller Kritik durchaus überzeugen konnte.