Wo ist Juli?

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zoe82 Avatar

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Caroline Seibt kannte ich bisher nicht. Aber „Weil sie lügt“, ihr neuer Thriller, klang vielversprechend. Worum geht es?
Wir lernen Anna Brunner kennen. Sie ist Anfang Zwanzig und wird von der Polizei zum Verschwinden ihrer älteren Schwester Juli befragt. Wegen Mordverdachts sitzt der Vater im Gefängnis. Anna versucht, die Familie zusammenzuhalten, sich um ihren jüngeren Bruder Leon und die psychisch labile Mutter zu kümmern.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Anna und von Katharina Engels. Diese arbeitet bei der Kriminalpolizei. Und dann werden Im Keller der Familie Brunner Knochenreste und Zähne gefunden…
„Weil sie lügt“ ist spannend und unterhaltsam, mit überraschenden Wendungen. Es geht um Familie. Die detaillierte Erzählweise bringt viele Gefühle, Gedanken und Abgründe ans Licht.
Anna war mir nicht sympathisch. Ein Gutmensch, der sich für andere aufopfert. Mich hat sie genervt. Mehr als einmal weckte sie in mir den Wunsch, sie zu schütteln. Natürlich darf es ihr Vater nicht gewesen sein. Und so beschuldigt sie nacheinander mehrere Personen, nur den Täter hat sie nicht auf dem Schirm. Was auch nicht ihre Aufgabe ist.
Lange dümpelt die Geschichte vor sich hin, so dass man fast die Auflösung überliest. Die ist genial und könnte schockierender nicht sein.
Allerdings hätte man der Autorin ein aufmerksameres Lektorat gewünscht: ein Fahrrad hat kein Lenkrad (Kapitel 1), sondern einen Lenker!
„…und öffne den Toilettendeckel. Das Porzellan schlage ich dabei gegen den Spülkasten.“ Ein Deckel aus Porzellan?

Fazit: Psychologische Spannung, die unter die Haut geht.