Aufwühlend. Aufrüttelnd. Tief bewegend.
In „Wenn die Bienen schweigen“ lädt uns Carly Lewis in eine Welt ein, in der die letzte Biene längst verstummt ist.
Der große Zusammenbruch ist bereits einige Jahrzehnte her: Das Klima ist außer Kontrolle geraten, das Militär hat die Regierung übernommen, Bücher wurden verbrannt und Selbstbestimmung gleicht, ebenso wie Nahrung und sauberes Wasser, einer Rarität. Die Menschen hungern und leiden, kämpfen um ihr (Über)Leben, während die Kinder, bar jeglicher Bildung, früh aus ihrem Elternhaus gerissen werden. Jungs werden zu den Waffen gerufen und die Mädchen in Camps gesteckt, in denen sie bis zu ihrer Periode – nur mit einem Pinsel ausgestattet – Blüten von Hand bestäuben müssen. Sobald sie den physiologischen Pfad zur Frau bestreiten, werden sie gedemütigt und verheiratet. Mit dem Ziel, schnell und viele Kinder zu gebären.
Statt sich mit den Fehlern ihresgleichen aus der Vergangenheit zu beschäftigen, aus diesen zu lernen, haben sich Wissenschaftler darauf fokussiert, perfekte Matches zu prognostizieren. Und so ist diese Welt, nachdem die Natur bis zum Grund ausgebeutet wurde, leer gesaugt von Gier und Konsumdrang, von immer mehr wollen, (wieder) zu einer verkommen, in der der Mann die Gewalt an sich gerissen hat und die Frau zum Objekt degradierte, zu etwas, das früh Nutzen bringt – oder aussortiert wird …
„Wenn die Bienen schweigen“ wird aus der Perspektive der dreizehnjährigen Jess erzählt, die aus ganz bestimmten Gründen nicht die beliebteste unter den Mädchen, den „Müttern“ & Wärtern im Camp ist. Aber Jess schert sich nicht darum, denn seit ihrem ersten Tag hat sie Cass an ihrer Seite. Cass, die ihren Geschichten lauscht, die ihre Hand hält und sich gemeinsam mit ihr den Mobberinnen stellt.
Schon früh hat Jess die Liebe zur Kunst in sich gefunden – und dann in all dem Wahnsinn, dem Aufbruch, der Anstrengung vergessen. Bis sie in die Pinselwerkstatt eingeteilt wird. Nicht mal das traurige Geheimnis dieser sanften Waffe hält ihre glücklichen, sie erfüllenden Erinnerungen davon ab, zu fließen. Und dann bekommt Jess einen unerwarteten Verbündeten und ein Geschenk, so wertvoll wie ein Sack reifer Äpfel.
Ein Streichholz, mit dem sie den Funken der Rebellion auf ihre eigene Weise entzündet. Mit dem sie einen Flächenbrand schürt. Vor dem niemand, kein eisiges Kinderherz, kein müdes Mädchen, sicher ist … Denn Zuri, Deva, Emily und all die anderen jungen, mutigen, tapferen Arbeiterinnen, die nie Freiheit schmecken durften, haben so viel mehr verdient als ein Leben als Vieh – als Arbeitstier, als Rammbock, als Zuchtstute …
»Wir sind hier die Ernte (...) Sie pflücken und gebrauchen uns, dann werfen sie uns weg.«
Lewis schuf ein bedrückendes, schwermütiges Szenario, das von ebensolcher Atmosphäre ummantelt, von einer Dringlichkeit durchzogen wird. Der Stil ist hierbei vorstellbar und ausdrucksstark, zugleich flüssig-leicht, was dem Charakter des Buches Authentizität verleiht, erleben wir das Geschehen doch aus einer kindlichen Sicht, teils unbedarft, teils zu erwachsen. Zu hart.
Werden zu Beginn die Umstände dargelegt, dominieren Verzweiflung und Erschöpfung, der fragile Funken Hoffnung, wächst im fortschreitenden Verlauf die Wut. Die Gleichgültigkeit ob der Konsequenzen. Der Drang, etwas, irgendetwas – die Mädchenschar – zu bewegen.
Die Autorin lässt herzzerreißende Missstände aufleben, Ungerechtigkeiten und das Patriarchat; den Widerwillen des Menschen, reflektiert und nachhaltig zu handeln. Und ja, auch mich als Leserin machten diese Zustände zornig, verursachten sie Gänsehaut. Ein flaues, aus Angst geborenes Gefühl.
Wir sehen Männer, die ihre Position ausnutzen, ihre Überlegenheit auf grausame Art demonstrieren, Träume und Freude im Keim ersticken. Mächtige, die sich mit Manipulation, Drohung, Gewalt und Gewehren Gehör verschaffen.
Einige Momente erinnerten mich an Atwoods „The Handmaid's Tale“, machten das Atmen schwer, erweckten Mitgefühl.
Neben den verheerenden Auswirkungen, die das Bienensterben über kurz oder lang nach sich ziehen kann, fließt stets auch die Kunst mit. Deren Relevanz und die Vielfalt, mit der sie ausdrückt, ermahnt, das Vergessen verhindert. Diese Komponente gab der Dystopie etwas Zartes, wie es nur die bedingungslosen Freundschaften, der erstarkende Zusammenhalt vermochten. Wie das Brechen ihrer Herzen, als die Mädchen die Wahrheit des Systems, all die Lügen, die leeren Worte sahen. VERSTANDEN.
Obgleich vieles lediglich Andeutung ist, Ahnung bleibt, reicht die oft subtile Bedrohung, die hintergründig greifbare Gefahr, die erschaffene Atmosphäre, um gemeinsam mit diesen verlorenen Kindern weinen zu wollen.
„Wenn die Bienen schweigen“ ist ein tief berührender, eindringlich erzählter Roman, der nachhallt und warnt. Ich empfehle einen Blick in das Nachwort, das das Gelesene abrundet und ihm noch mehr Gewicht, mehr Bedeutung verleiht.
Der große Zusammenbruch ist bereits einige Jahrzehnte her: Das Klima ist außer Kontrolle geraten, das Militär hat die Regierung übernommen, Bücher wurden verbrannt und Selbstbestimmung gleicht, ebenso wie Nahrung und sauberes Wasser, einer Rarität. Die Menschen hungern und leiden, kämpfen um ihr (Über)Leben, während die Kinder, bar jeglicher Bildung, früh aus ihrem Elternhaus gerissen werden. Jungs werden zu den Waffen gerufen und die Mädchen in Camps gesteckt, in denen sie bis zu ihrer Periode – nur mit einem Pinsel ausgestattet – Blüten von Hand bestäuben müssen. Sobald sie den physiologischen Pfad zur Frau bestreiten, werden sie gedemütigt und verheiratet. Mit dem Ziel, schnell und viele Kinder zu gebären.
Statt sich mit den Fehlern ihresgleichen aus der Vergangenheit zu beschäftigen, aus diesen zu lernen, haben sich Wissenschaftler darauf fokussiert, perfekte Matches zu prognostizieren. Und so ist diese Welt, nachdem die Natur bis zum Grund ausgebeutet wurde, leer gesaugt von Gier und Konsumdrang, von immer mehr wollen, (wieder) zu einer verkommen, in der der Mann die Gewalt an sich gerissen hat und die Frau zum Objekt degradierte, zu etwas, das früh Nutzen bringt – oder aussortiert wird …
„Wenn die Bienen schweigen“ wird aus der Perspektive der dreizehnjährigen Jess erzählt, die aus ganz bestimmten Gründen nicht die beliebteste unter den Mädchen, den „Müttern“ & Wärtern im Camp ist. Aber Jess schert sich nicht darum, denn seit ihrem ersten Tag hat sie Cass an ihrer Seite. Cass, die ihren Geschichten lauscht, die ihre Hand hält und sich gemeinsam mit ihr den Mobberinnen stellt.
Schon früh hat Jess die Liebe zur Kunst in sich gefunden – und dann in all dem Wahnsinn, dem Aufbruch, der Anstrengung vergessen. Bis sie in die Pinselwerkstatt eingeteilt wird. Nicht mal das traurige Geheimnis dieser sanften Waffe hält ihre glücklichen, sie erfüllenden Erinnerungen davon ab, zu fließen. Und dann bekommt Jess einen unerwarteten Verbündeten und ein Geschenk, so wertvoll wie ein Sack reifer Äpfel.
Ein Streichholz, mit dem sie den Funken der Rebellion auf ihre eigene Weise entzündet. Mit dem sie einen Flächenbrand schürt. Vor dem niemand, kein eisiges Kinderherz, kein müdes Mädchen, sicher ist … Denn Zuri, Deva, Emily und all die anderen jungen, mutigen, tapferen Arbeiterinnen, die nie Freiheit schmecken durften, haben so viel mehr verdient als ein Leben als Vieh – als Arbeitstier, als Rammbock, als Zuchtstute …
»Wir sind hier die Ernte (...) Sie pflücken und gebrauchen uns, dann werfen sie uns weg.«
Lewis schuf ein bedrückendes, schwermütiges Szenario, das von ebensolcher Atmosphäre ummantelt, von einer Dringlichkeit durchzogen wird. Der Stil ist hierbei vorstellbar und ausdrucksstark, zugleich flüssig-leicht, was dem Charakter des Buches Authentizität verleiht, erleben wir das Geschehen doch aus einer kindlichen Sicht, teils unbedarft, teils zu erwachsen. Zu hart.
Werden zu Beginn die Umstände dargelegt, dominieren Verzweiflung und Erschöpfung, der fragile Funken Hoffnung, wächst im fortschreitenden Verlauf die Wut. Die Gleichgültigkeit ob der Konsequenzen. Der Drang, etwas, irgendetwas – die Mädchenschar – zu bewegen.
Die Autorin lässt herzzerreißende Missstände aufleben, Ungerechtigkeiten und das Patriarchat; den Widerwillen des Menschen, reflektiert und nachhaltig zu handeln. Und ja, auch mich als Leserin machten diese Zustände zornig, verursachten sie Gänsehaut. Ein flaues, aus Angst geborenes Gefühl.
Wir sehen Männer, die ihre Position ausnutzen, ihre Überlegenheit auf grausame Art demonstrieren, Träume und Freude im Keim ersticken. Mächtige, die sich mit Manipulation, Drohung, Gewalt und Gewehren Gehör verschaffen.
Einige Momente erinnerten mich an Atwoods „The Handmaid's Tale“, machten das Atmen schwer, erweckten Mitgefühl.
Neben den verheerenden Auswirkungen, die das Bienensterben über kurz oder lang nach sich ziehen kann, fließt stets auch die Kunst mit. Deren Relevanz und die Vielfalt, mit der sie ausdrückt, ermahnt, das Vergessen verhindert. Diese Komponente gab der Dystopie etwas Zartes, wie es nur die bedingungslosen Freundschaften, der erstarkende Zusammenhalt vermochten. Wie das Brechen ihrer Herzen, als die Mädchen die Wahrheit des Systems, all die Lügen, die leeren Worte sahen. VERSTANDEN.
Obgleich vieles lediglich Andeutung ist, Ahnung bleibt, reicht die oft subtile Bedrohung, die hintergründig greifbare Gefahr, die erschaffene Atmosphäre, um gemeinsam mit diesen verlorenen Kindern weinen zu wollen.
„Wenn die Bienen schweigen“ ist ein tief berührender, eindringlich erzählter Roman, der nachhallt und warnt. Ich empfehle einen Blick in das Nachwort, das das Gelesene abrundet und ihm noch mehr Gewicht, mehr Bedeutung verleiht.