die Macht eines Bildes

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jerichothoem Avatar

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Mich hat’s leider nicht so abgeholt wie erwartet.

Die Erzählung bleibt größenteils verkopft, und dadurch distanziert, insbesondere was das dystopische Element anbelangt. Wir sehen nur sehr wenig von der Gesellschaft direkt, das meiste erfahren wir aus Erzählungen der Hauptperson Jess, die wiederum oft nur die Erzählungen anderer wiedergibt. (Manchmal wird das etwas anstrengend, wenn wir zb den Plot des „kleinen Prinzen“ nacherzählt bekommen.) Die Handlung spielt fast ausschließlich in einem Bestäubungs-Camp, in dem Jess zusammen mit anderen Mädchen arbeiten muss. Die Abschottung der Mädchen im Camp macht es schwer die gesellschaftlichen Strukturen und potentielle Ungerechtigkeiten zu verstehen. Jess‘ Kindheit klingt in den Rückblenden weitestgehend normal, was es einerseits leicht macht mit ihr mitzufühlen, andererseits die harte Realität des ökologischen und gesellschaftlichen Zusammenbruchs weniger greif- und fühlbar macht.

Auch der Plot entwickelt sich nur langsam, oder zumindest kommt mir die Erzählung langatmig vor, denn eigentlich sind die dreihundert Seiten recht klassisch eingeteilt. Nach und nach lernen wir neben Jess auch die anderen Mädchen kennen, insbesondere ihre Freundin Cass, und dann ist da auch noch ein freundlicher Soldat… In den Beobachtungen und Beschreibungen der Interaktionen steckt eigentlich viel Potential, das für mich aber nicht genug genutzt wurde. Die Figuren bleiben relativ blass und Themen eher implizit.

Was mir gut gefallen hat war die Poetik, die Jess Erzählperspektive kennzeichnet und der Fokus auf die Kunst und ihre Funktion und Stärke für eine Gemeinschaft. Ein wenig fehlte mir das Gegenstück der Regimepropaganda in der Erzählung, aber insgesamt war es schön mal eine Dystopie zu lesen, bei der es darum ging wie sich die Gewohnheit der Akzeptanz aufbrechen lässt und Freiheit zuallererst als Freiheit im Denken, Fühlen und Träumen verstanden wird.

Ich würde „wenn die Bienen schweigen“ trotzdem nicht empfehlen wollen, einzelne starke Momente und Motive machen für mich noch kein gelungenes Buch.