Eine erschreckend realistische Dystopie

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bella0070 Avatar

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„Wenn die Bienen schweigen“ von Caryl Lewis ist eine packende und beklemmende Dystopie, die gleich mehrere hochaktuelle Themen miteinander verbindet. Nach dem Aussterben der Bienen gerät zunächst das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen, bevor schließlich auch die Gesellschaft zusammenbricht. Frauen werden wieder auf ihre vermeintlich ursprünglichen Rollen als Arbeitskräfte und Gebärende reduziert. Bereits im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gebracht, wo sie die Blüten der Obstbäume mühsam von Hand bestäuben müssen.

Der Schreibstil ist bildhaft, eindringlich und atmosphärisch. Die bedrückende Stimmung und die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit waren für mich beim Lesen nahezu greifbar. Caryl Lewis entwirft eine Welt, die erschreckend glaubwürdig wirkt, eine Welt, in der Mädchen unterdrückt und ausgebeutet werden und in der Grausamkeit, Monotonie und Kontrolle den Alltag bestimmen.

Die 13-jährige Jess ist jedoch nicht bereit, dieses Schicksal einfach hinzunehmen. Sie ist überzeugt, dass es mehr geben muss und dass die Mädchen ein besseres Leben verdienen. In dieser trostlosen Welt wird sie zu einem Hoffnungsschimmer. Trotz aller Verzweiflung zeigt der Roman, dass Freundschaft, Zusammenhalt und sogar Liebe selbst unter den schlimmsten Bedingungen möglich sind. Besonders berührend empfand ich die Bilder, die Jess heimlich malt. Sie geben den anderen Mädchen Mut und werden zum Auslöser eines stillen Widerstands.

Das Buch ist durchgehend spannend, ohne dabei auf große Action zu setzen. Gerade diese ruhige, fast stille Erzählweise macht die Geschichte so eindringlich und verleiht ihr eine besondere Intensität. Die beklemmende Atmosphäre schleicht sich nach und nach ein und entfaltet ihre volle Wirkung erst nach dem Zuklappen des Buches. Mich hat die Geschichte noch lange beschäftigt, weil sie auf eindrucksvolle Weise vor Augen führt, wohin der rücksichtslose Umgang mit der Natur und gesellschaftliche Rückschritte führen können. Sie stellt die Frage, welchen Preis wir für unseren Fortschritt zu zahlen bereit sind.

FAZIT: Wenn die Bienen schweigen ist eine eindrucksvolle Dystopie mit einer wichtigen Botschaft. Der Roman regt zum Nachdenken an, berührt emotional und zeigt, wie eng das Schicksal der Menschheit mit dem der Natur verbunden ist. Für mich eine klare Leseempfehlung.