Freiheit kann man malen

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lemmi Avatar

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Fast unbemerkt verschwanden die letzen Bienen und das damit verbundene Ökosystem brach weitgehend zusammen. Wie nun die Menschheit ernähren? Es bleibt nur eine Bestäubung per Hand und das ist eine harte und gleichzeitig filigrane Arbeit. Junge Mädchen sind wie geschaffen dafür, kaum elf Jahre alt, pfercht man sie in Lager und lässt sie in den heißen staubigen Plantagen schuften.

Die dreizehnjährige Jess kennt eine andere Welt, zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter durfte sie lesen lernen, frei denken und malen. Doch nun muss sie, zusammen mit vielen anderen, mühselig mit einem kleinen Pinsel Pollen von Blüte zu Blüte übertragen. Die Aussichten sind wenig hoffnungsvoll, denn bald wird ihr ein genetisch passender Ehemann zugeteilt werden.

Wurden Pinsel wirklich nur für diesen einen Zweck erschaffen? Jess weiß es soviel besser. Sie merkt schnell, daß ihr im Lager jegliche Grundrechte verweigert werden und sehnt sich nach einem freien Leben. Doch wie soll das Mädchen alleine ausbrechen?

„Das Schweigen der Bienen“ von Caryl Lewis zeichnet ein düsteres Bild einer möglichen Zukunft, bei der die Menschen trotz aller Widrigkeiten nach Freiheit streben. In fein ausgearbeiteten Sätzen schildert die junge Jess in der Ich-Form das triste Leben im Lager, es ist ein Buch der leisen, eindringlichen Töne. Man kann sich sehr gut in die Hauptperson hineinversetzen, denn die Schilderung ihrer Gedankenwelt treibt die Geschichte voran.

Dieses Buch richtet sich nicht nur an Jugendliche, auch für Erwachsene ist die Lektüre sehr lohnend. Es lehrt, daß keine Situation aussichtslos ist, wenn man zusammensteht und die Schwächen eines Systems ausnutzt. Dann genügen manchmal etwas Farbe und ein Funke.
Das Buch lässt gegen Ende durchaus einige Fragen offen, aber auch Raum für Hoffnung.