Furchtbares Szenario

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Wenn die Bienen schweigen, Dystopie von Caryl Lewis, 302 Seiten, erschienen im dtv-Verlag.
Der Mensch hat es geschafft, mit Ignoranz, Maßlosigkeit und Gleichgültigkeit die Erde endgültig zu zerstören.
Es gibt keine bestäubenden Insekten mehr, die letzte Biene ist schon lange verstummt. Junge Mädchen müssen die Obstbäume mit dem Pinsel bestäuben, dafür werden sie in Camps gehalten, zu wenig Nahrung, unterdrückt, Lesen und Schreiben, bzw. eine Schule besuchen ist nicht mehr wichtig. Nur noch ein paar Mächtige haben alles, die Mädchen profitieren noch nicht einmal vom Obst. Das wird gegen Waffen, Treibstoff und Chemikalien getauscht. Doch Jess ist eine Visionärin, sie kennt die Welt wie sie früher war noch aus Büchern. Und ihre verbotenen Bilder wiegeln zur Rebellion auf. Der Wunsch nach Freiheit lässt sich nicht mehr unterdrücken.
In 41 interessanten Kapiteln zeichnet Caryl Lewis eine postapokalyptische Dystopie, die mir eine Gänsehaut nach der anderen beschert hat. Sie schreibt so bildhaft und flüssig, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Am meisten haben mich diese patriarchalischen Strukturen aufgebracht. Frauen sind fürs Kinderkriegen und zu Sklavenarbeiten gut genug. Musik, Kunst, Kultur ist nicht notwendig, solange es den Reichen und Mächtigen gutgeht. Doch noch schlimmer ist, dass die einfachen Menschen unfrei sind, noch nicht einmal den zukünftigen Partner darf man frei wählen, nur die Gene sollen perfekt zusammenpassen. Keine Bildung, keine Freiheit, Menschen werden wie Tiere gehalten und ausgenutzt, und sie werden mangels Bildung dumm gehalten, um die Mächtigen nur immer noch einflussreicher zu machen. Mich hat die Lektüre wütend gemacht, wütend darauf, dass es selbst in einer zerstörten Welt noch Menschen gibt denen es besser geht. Diese sozialen Unterschiede sind so gut dargestellt, dass es fast wehtut. Das Buch ist spannend von Anfang bis Ende. Eine Lieblingsperson ist kaum auszumachen, denn es gibt im Camp sehr viele starke Mädchen authentisch und glaubhaft echt. Allen voran natürlich Jess die Visionärin, die Rebellin. Sie kann noch lesen, sie kennt Geschichten und sie ist mutig und hat ein gutes Herz. Charmian ist intrigant und böse, deshalb konnte ich sie nicht leiden. Trotzdem hat auch sie eine Verwandlung durchgemacht.
Im Buch geht es nicht nur darum was passiert, wenn Nahrung und Wasser knapp wird, wenn die Erderwärmung die Erde vertrocknet und es immer heißer wird. Es hat mir die Augen geöffnet, dass es auch da noch Menschen geben wird, die andere benutzen, die es sich gutgehen lassen und andere ausnutzen. Dass es aber hoffentlich auch immer kluge und menschliche, barmherzige Mitmenschen gibt, die sich um andere kümmern, und etwas zum Besseren ändern wollen, auch wenn es gefährlich wird.
Eine Motivation, dass es die Menschheit nicht soweit kommen lassen darf, dieses Buch sollte Pflichtlektüre an den Schulen werden. Auch eine Hommage an Kunst, Literatur und an das Wissen, die Fantasie, dass dies unbedingt immer allen Menschen zugänglich sein muss, ohne Ausnahme. Damit zumindest die Hoffnung niemals verloren gehen kann.
Das Buch wird mich lange nicht loslassen, deshalb 5 Sterne