keine Bienen, keine Ernte

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delizzy Avatar

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Schon das Cover mit der großen, plakativen Biene zeigt, wie wichtig diese Insekten für die Natur und und Menschen sind.
Und genau die fehlen in diesem spannenden Buch: in einer Welt ohne Bienen und auch andere Insekten müssen die Obstbäume nun von Hand bestäubt werden, wie das in China wohl schon teilweise Praktik ist.
Diese Geschichte geht einen Schritt weiter und zeigt eine Welt, wie sie sein könnte, wenn sämtliche Insekten ausgestorben wären.

Mädchen ab 11 Jahren werden zur Handbestäubung mit Pinseln gezwungen, sie leben, gut bewacht von strengen Aufseherinnen, sarkastischerweise genannt "Mütter", und Wachsoldaten in großen Lagern und kennen nichts anderes als ihre Arbeit, karge Rationen im Speisesaal und große Schlafsäle.
Wasser ist Mangelware und darf nur für eine Katzenwäsche benutzt werden.
Sobald die Mädchen alt genug sind, sucht man einen Partner für sie, den sie heiraten müssen und dann durch Fortpflanzung weiterhin ihren Dienst für die Allgemeinheit leisten.

Das Buch, erzählt aus der Sichtweise des Mädchens Jess, zeigt eine dystopische Welt ohne Hoffnung, der Lebensweg ist ab Geburt vorgezeichnet und es gibt keinen Freiraum für eigene Gedanken oder Ideen, Lesen und Schreiben wird nicht gelehrt, Informationen über die Welt draußen sind spärlich und beruhen nur auf Gerüchten.
Wer aus der Reihe tanzt, wird bestraft und ich musste beim Klappentext an "Die Geschichte der Magd" von Margaret Atwood denken.
Die Autorin hat jedoch ihre ganz eigene, besondere Welt erschaffen, die mich mit ihrer bildhaften, klaren Sprache schnell in ihren Bann gezogen hat. So wenig überflüssiges es in dieser Welt gibt, so präzise setzt Caryl Lewis ihre Worte.

Jess ist in dieser Lagerwelt eine Aussenseiterin, da ihre Mutter sie und den Bruder heimlich im Lesen unterrichtet hatte, bevor sie getrennt wurden.
Mit Hilfe des Soldaten Eliot, den Jess als Verbündeten gewinnt, kommt sie an Farben und beschliesst eines Nachts, sich hinauszuschleichen und heimlich ein großes, Freiheit symbolisierendes Bild an eine der Lagermauern zu malen, das am nächsten Tag für alle im Camp sichtbar ist.
Dieser stille Widerstand löst ungeahnte Geschehnisse aus und bringt tiefgreifende Ungerechtigkeiten ans Licht.

Mir ist nicht nur die unangepasste Jess, sondern auch ihre beste Freundin Cass, deren heimliche Liebe Deva und sogar die biestige Charmian schnell ans Herz gewachsen und ich habe mit ihrer täglichen harten Arbeit, dem heimlichen Malen, dem Mobbing und Repressalien mitgelitten- und gefiebert.

Obwohl das Buch als Jugendroman ausgeschrieben ist, hatte ich als Erwachsene nicht das Gefühl, zu alt dafür zu sein.
Härtere Szenen werden angedeutet, aber nicht ins Detail ausgewalzt, aber der Grundtenor des Romans ist erdrückend, realistisch und regt Leser jeden Alters zum Nachdenken an.